Süddeutsche Zeitung Magazin, 03.05.2026. Christian Drosten, Institutsdirektor Virologie Charité, im Gespräch mit Förster Peter Wohlleben:
„Ich glaube aber, dass eine berufsständische Qualitätssicherung ganz wichtig ist, im Bereich der Publizistik, des Journalismus, des Films, des Podcasts."
Was er fordert#
Eine „gewollte Filterwirkung" — kein „Unterbinden durch Druck", aber eine Filterung. Er sieht „keinen anderen Weg, als auf diese Weise einzuschreiten." Die Umsetzung soll der Berufsstand selbst tragen. Qualitätsgesicherte Quellen sollen finanziell unterstützt werden.
Bei YouTube sei Qualitätssicherung „komplett ausgesetzt."
Was er gleichzeitig sagt#
Auf Kritik an seiner Corona-Politik:
„Es ist im Prinzip nicht relevant."
„Ein kleiner Teil der Presse hat versucht, mich als Person anzugreifen."
Drosten ist in der Frage, was guter Journalismus ist, nicht neutral. Er hat eine konkrete Erfahrung damit — und eine konkrete Meinung darüber, welche Berichterstattung zählt und welche nicht.
Die offene Frage#
Wer sitzt im Berufsstand?
Das sagt er nicht. „Berufsständische Qualitätssicherung" setzt voraus, dass ein Berufsstand Kriterien setzt. Wer diese Kriterien setzt, entscheidet, was als Qualität gilt — und was nicht.
Was der Berufsstand produziert#
Während der Pandemie veröffentlichten deutsche Medien Drostens Aussagen überwiegend als dpa-Meldungen: wortgleich übernommen, ohne eigenständige Einordnung oder Gegenrecherche. Das ist die Standardpraxis des deutschen Qualitätsjournalismus.
Die Kritik an Drostens Aussagen kam aus Formaten außerhalb des Berufsstands: YouTube-Kanäle, Podcasts, Newsletter. Formate, die Quellen verglichen, Protokolle zitierten, Widersprüche benannten.
Es sind genau diese Formate, deren Qualitätssicherung laut Drosten „komplett ausgesetzt" ist.
Der Befund#
Drosten fordert einen Filter. Den Maßstab soll ein Berufsstand setzen. Er erklärt gleichzeitig, dass Kritik an seiner eigenen Arbeit „nicht relevant" sei.
Das ergibt einen Zirkel: Wer den Filter kontrolliert, entscheidet, was durchkommt. Wer Kritiker als „nicht relevant" einordnet, hat eine Vorstellung davon, was der Filter zurückhalten soll.
Wer die Qualitätssicherung qualitätssichert — das beantwortet das Interview nicht.
Quellen: Süddeutsche Zeitung Magazin (03.05.2026); Berliner Zeitung (05.05.2026); Apollo News (04.05.2026).





