Klimawandel ist eines der meistdiskutierten Themen unserer Zeit — und gleichzeitig eines, bei dem die Debatte oft erstaunlich schmal geführt wird. Ein Geologe, der seit den späten 1970er Jahren zu Klimafragen forscht, stellt in einem kurzen Video Fragen, die im öffentlichen Diskurs kaum Platz finden: Was sagt die Erdgeschichte über CO2? Und worüber redet die Klimawissenschaft, wenn sie tektonische Zusammenhänge ausklammert?
Was die Geologie zeigt#
Aktuelle CO2-Werte liegen bei rund 420–440 ppm (Teile pro Million). Das ist der höchste Wert seit Hunderttausenden von Jahren — gemessen an Eisbohrkernen. In der geologischen Tiefenzeit sieht das Bild jedoch anders aus.
In der Kreidezeit (vor etwa 66–145 Millionen Jahren) lagen die CO2-Konzentrationen bei über 1.000 ppm. Im Jura ähnlich. In der Trias sogar bei rund 2.000 ppm. Die Erde war in diesen Epochen wärmer, feuchter, grüner — das Leben florierte in einer Weise, die mit heutigen Maßstäben kaum vergleichbar ist. Tropenwälder reichten bis in polare Breiten. Tiere und Pflanzen entwickelten sich in einem Klima, das CO2-reicher war als heute.
Das ist keine Spekulation — es ist geologischer Befund, gestützt auf Isotopen- und Sedimentanalysen, die die Fachwelt seit Jahrzehnten kennt.
Die Frage der Korrelation#
Der Geologe macht auf eine Beobachtung aufmerksam, die in der Fachgeologie bekannt ist, im öffentlichen Diskurs aber selten thematisiert wird: CO2 und Temperatur korrelieren in der Erdgeschichte nicht zwingend im Verhältnis 1:1.
Es gibt geologische Perioden mit hohem CO2 und vergleichsweise niedrigen Temperaturen — und umgekehrt. Die Zusammenhänge sind komplexer als eine lineare Gleichung. Das bedeutet nicht, dass CO2 keine Wirkung auf das Klima hat. Es bedeutet, dass die Erdgeschichte Faktoren kennt, die diesen Zusammenhang überlagern oder modulieren.
Der Ozean als CO2-Quelle#
Ein physikalisches Grundprinzip: Warmes Wasser kann weniger gelöste Gase binden als kaltes. Je wärmer der Ozean, desto mehr CO2 gibt er an die Atmosphäre ab. Dieser Mechanismus — bekannt als Henry’s Law — ist unbestritten.
Der Geologe argumentiert, dass über 90% des atmosphärischen CO2-Anstiegs diesem Mechanismus zuzurechnen sei: Die Ozeane erwärmen sich, setzen CO2 frei — und nicht umgekehrt. Ob CO2 dabei als Treiber oder als Folge der Erwärmung auftritt, ist tatsächlich eine der zentralen methodischen Fragen der Paläoklimatologie. In Eisbohrkerndaten aus der Antarktis zeigt sich, dass Temperaturanstiege dem CO2-Anstieg häufig um Hunderte bis Tausende von Jahren vorausgehen — ein Befund, der in der Fachliteratur diskutiert wird.
Tektonische Zyklen#
Der Kernpunkt seines Arguments: Die Ozeane erwärmen sich von unten — getrieben durch tektonische Prozesse aus dem Erdmantel. Dieser Wärmeeintrag aus dem Erdinneren überträgt sich über Störungszonen in die Ozeane, erhöht deren Temperatur, löst mehr CO2 heraus und befeuert vulkanische Aktivität, die ihrerseits CO2 ausstößt.
Solche tektonischen Großzyklen — er nennt einen Zeitraum von etwa 12.500 Jahren — sind in der Geologie bekannt. Die Milankovitch-Zyklen (Erdbahnparameter), der thermohaline Ozeanzirkulationskreislauf, und geodynamische Prozesse bilden zusammen einen Rahmen, der klimatische Schwankungen auf Zeitskalen von Jahrtausenden und Jahrmillionen erklärt — unabhängig von menschlichem Einfluss.
Dass Gletscher nicht nur von oben (Lufttemperatur), sondern auch von unten (geothermale Wärme und Meerestemperatur) schmelzen, ist ein messbarer Befund. Untermeerische Vulkanaktivität trägt zum Gletscherschmelzen in bestimmten Regionen nachweislich bei — etwa in Westantarktika, wo Forscher unter dem Eisschild eine aktive Vulkanzone identifiziert haben.
Was das bedeutet — und was nicht#
Es wäre falsch, aus diesen geologischen Argumenten zu schließen, dass menschliche Einflüsse irrelevant seien. Der CO2-Anstieg der letzten 200 Jahre — in Geschwindigkeit und Ausmaß ohne geologisches Vorbild in den letzten 800.000 Jahren der Eisbohrkernaufzeichnungen — ist real und messbar. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe trägt nachweislich zum atmosphärischen CO2-Bestand bei.
Was die geologische Perspektive aber einfordert, ist Komplexität. Ein Klimasystem, das über Milliarden Jahre durch tektonische Prozesse, Sonnenaktivität, Ozeanzirkulation und Erdbahnparameter geformt wurde, lässt sich nicht vollständig durch eine Variable — den menschlichen CO2-Ausstoß — erklären. Wer diese Komplexität benennt, betreibt keine Klimaleugnung. Er betreibt Wissenschaft.
Die Fragen des Geologen sind legitim. Sie verdienen eine ernsthafte Antwort — nicht Schweigen oder Diskreditierung.
Quelle#
Geologische Referenzwerte (Kreidezeit, Jura, Trias CO2-Konzentrationen) basieren auf Standardwerken der Paläoklimatologie. Die erwähnte Antarktis-Vulkanzone wurde 2017 in Nature Geoscience dokumentiert (Bingham et al.).



