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Das EU-Forschungsnetzwerk dahinter: CORDIS-Befunde zu Corman et al. 2020

Das Paper, das zum globalen PCR-Standard wurde, hatte vierundzwanzig Koautoren. Eingereicht: 21. Januar 2020. Angenommen: 22. Januar 2020. Publiziert: 23. Januar 2020. Wer die institutionellen Affiliationen dieser Koautoren mit der EU-Förderdatenbank CORDIS abgleicht, sieht ein Netzwerk, das mindestens elf Jahre vorher dokumentiert ist.

Fünf EU-Projekte, eine Konstante
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Die CORDIS-Datenbank der Europäischen Kommission listet EU-geförderte Forschungsprojekte mit Partnern, Budgets und Laufzeiten. Für den Zeitraum 2009 bis 2024 sind im Bereich Emerging Infectious Diseases / Zoonosen fünf Projekte relevant, an denen die Hauptinstitutionen des Corman-Drosten-Papers beteiligt waren.

EMPERIE (Grant 223498, FP7, 2009–2014): Budget 15,9 Mio. €. Koordinator: Erasmus Universitair Medisch Centrum Rotterdam. Konsortiumsmitglied: Universitätsklinikum Bonn.

ANTIGONE (Grant 278976, FP7, 2011–2016): Budget 15,7 Mio. €. Koordinator: Erasmus MC Rotterdam. Konsortiumsmitglied: Universitätsklinikum Bonn.

COMPARE (Grant 643476, Horizon 2020, 2014–2019): Budget 20,8 Mio. €. Koordinator: Danmarks Tekniske Universitet. Konsortiumsmitglieder: Erasmus MC Rotterdam, Universitätsklinikum Bonn, Charité Berlin — alle drei als separate Teilnehmer gelistet.

EVAg (Grant 653316, Horizon 2020, 2015–2020): Budget 12,2 Mio. €. Konsortiumsmitglieder: Erasmus MC Rotterdam, Universitätsklinikum Bonn, Charité Berlin.

EVA-GLOBAL (Grant 871029, Horizon 2020, 2020–2024): Budget 13,9 Mio. € — 100 Prozent EU-finanziert. Konsortiumsmitglieder: Erasmus MC Rotterdam, Charité Berlin.

Erasmus MC ist in allen fünf Projekten vertreten — als Koordinator in den frühen FP7-Projekten, als Konsortiumsmitglied ab Horizon 2020.

Drostens Wechsel und seine Spur in der Datenbank
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Christian Drosten wechselte im März 2017 vom Universitätsklinikum Bonn an die Charité — Universitätsmedizin Berlin. Die CORDIS-Projektliste zeigt diesen Übergang mit dokumentarischer Präzision.

In COMPARE (Laufzeit 2014–2019) und EVAg (2015–2020) sind sowohl das Universitätsklinikum Bonn als auch die Charité Berlin als separate Konsortiumsmitglieder eingetragen. Die Bonn-Beteiligung wurde in beiden Projekten vorzeitig beendet; die Charité-Beteiligung lief weiter. In EVA-GLOBAL (2020–2024) erscheint Bonn nicht mehr — nur noch die Charité.

Die CORDIS-Einträge bilden die bekannte institutionelle Trajektorie lückenlos ab.

Das PCR-Paper: Eine Autorenliste aus dem Netzwerk
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Corman et al. 2020 hat vierundzwanzig Koautoren. Nach den verfügbaren Quellenangaben kommen acht aus Erasmus MC Rotterdam (Richard Molenkamp, Daphne Mulders, Bart Haagmans, Bas van der Veer, Sharon van den Brink, Lisa Wijsman, Gabriel Goderski, Marion Koopmans) und sechs aus der Charité Berlin (Victor Corman, Tobias Bleicker, Sebastian Brünink, Julia Schneider, Marie Luisa Schmidt, Christian Drosten).

Jean-Louis Romette — Koautor aus Marseille — kommt aus dem EVA-Netzwerk, dem Vorläufer von EVAg und EVA-GLOBAL, dessen Koordination ebenfalls in Marseille liegt.

Das Paper entstand innerhalb einer Autorengruppe, deren institutionelle Heiminstitutionen über elf Jahre gemeinsam EU-Mittel erhalten hatten.

Chantal Reusken, ebenfalls Koautorin, war zum Zeitpunkt der Einreichung Associate Editor von Euro Surveillance. Drosten ebenfalls. Beide wurden nach eigenem Eingeständnis des Journals von der Untersuchung des Retraktionsantrags ausgeschlossen. Die drei Transparenzprobleme — Editorial-Board-Doppelrolle, TIB-Molbiol-Interessenkonflikt, 24-Stunden-Peer-Review — sind in einem gesonderten Artikel dokumentiert.

Was in CORDIS nicht steht
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Marion Koopmans bekleidete mehrere WHO-Funktionen: Direktorin zweier WHO Collaborating Centres, Mitglied des WHO R&D Blueprint Scientific Advisory Group, Mitglied des EU-Wissenschaftlichen Beratungsgremiums COVID-19 (ab März 2020). Ob sie formales Mitglied des COVID-19 IHR Emergency Committee war — dem Gremium, das die PHEIC-Erklärung berät —, konnte anhand der zugänglichen Quellen nicht verifiziert werden. Das entsprechende WHO-PDF war nicht parsierbar. Die Unterscheidung zwischen WHO R&D Blueprint Advisory Group und IHR Emergency Committee ist präzise und nicht trivial; sie wird hier nicht verwischt.

Formale WHO- oder ECDC-Beraterfunktionen Drostens vor 2020 sind aus Primärquellen nicht belegt. Die Associate-Editor-Rolle bei Euro Surveillance (ECDC-Publikation) zum Zeitpunkt der Einreichung ist belegt.

Was die CORDIS-Daten zeigen
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Ein Forschungsnetzwerk, das von 2009 bis 2024 in fünf EU-geförderten Projekten zusammenarbeitete, produzierte im Januar 2020 ein Paper, das innerhalb weniger Wochen zum globalen Diagnosestandard wurde. Die institutionellen Verbindungen zwischen den beteiligten Organisationen sind in der öffentlichen EU-Förderdatenbank dokumentiert — nicht in investigativen Berichten, nicht in Leaks, sondern in CORDIS.

Das Netzwerk erklärt nicht, wie die Entscheidung fiel, dieses Paper in 24 Stunden zu peer-reviewen. Es erklärt nicht, warum zwei Koautoren gleichzeitig Associate Editors des publizierenden Journals waren. Diese Fragen haben eigene Antworten — oder keine.

Was es zeigt: Die Autoren des Papers, das die globale COVID-19-Diagnostik definierte, kannten einander. Ihre Institutionen hatten gemeinsam Projekte koordiniert. Das ist der Befund. Er steht in CORDIS.


Weiterführend auf elizaonsteroids.org:


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