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Kein Einzelfall: Was die ZDF-Fehlerserie wirklich zeigt

Am 15. Februar 2026 zeigte das heute journal in einem Beitrag über die US-Abschiebebehörde ICE eine Frau mit weinenden Kindern bei einer Festnahme. Das Bild war echt empfunden und falsch erzeugt: ein mit OpenAI Sora generiertes Video, ohne jede Kennzeichnung als synthetisches Material. Eine zweite Sequenz im selben Beitrag stammte aus einem anderen Kontext — eine Schulbedrohung in Florida aus dem Jahr 2022, ausgegeben als ICE-Festnahme.

Das ZDF entschuldigte sich zwei Tage später „uneingeschränkt", berief eine Korrespondentin ab und legte einen Maßnahmenkatalog vor — öffentlich, innerhalb von 48 Stunden. Nur: Was als Versehen erzählt wird, war ein Verstoß gegen eine Regel, die sich der Sender selbst gegeben hatte — zweieinhalb Jahre vorher.

Und es war nicht der einzige.

Die eigene Regel, gebrochen
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Seit Oktober 2023 hat das ZDF zehn Grundsätze für den Umgang mit generativer KI. Punkt 9 ist eindeutig: KI-generierte Bilder und Videos von Menschen, Ereignissen und politischen Zusammenhängen sind „im Nachrichtenbereich nicht möglich" — es sei denn, eine Kennzeichnung findet „unmittelbar am Produkt" statt. Das Stufenmodell des Senders sagt dasselbe noch einmal in Verfahrenssprache.

Der ICE-Beitrag verstieß nach Eingeständnis des ZDF gegen genau diesen Punkt. Die Regel existierte. Sie war bekannt. Sie wurde nicht angewendet. Das ist die entscheidende Verschiebung, die in der öffentlichen Erzählung untergeht: Der Fehler lag nicht darin, dass es keine Regel gab — sondern darin, dass die Regel im laufenden Betrieb nichts wog.

Die FAZ berichtete am 25. Februar, Chefredakteurin Bettina Schausten habe intern eingeräumt, die KI-Bilder seien „bewusst eingefügt" worden — während nach außen von einem Fehler die Rede war. Das interne Protokoll, auf das sich die FAZ stützt, bleibt unter Verschluss; nachprüfbar ist der Wortlaut nicht. Belegbar ist nur, dass das Haus den Vorgang nach außen als Versehen darstellte, während das interne Bild verschlossen bleibt. Genau dieses Gefälle zwischen öffentlicher Version und nicht zugänglichem Innenstand ist das Transparenzproblem — unabhängig davon, was im Protokoll steht.

Vier weitere Fälle in 24 Monaten
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Wer den KI-Fake für einen Ausrutscher hält, muss die anderen Fälle erklären.

Die Correctiv-Übernahme (Januar 2024). In der Anmoderation des heute journals übernahm das ZDF die Correctiv-Darstellung zum Potsdamer Treffen — sinngemäß, dort sei die „Deportation von Millionen Menschen, auch solcher mit deutscher Staatsbürgerschaft" geplant worden. Das Landgericht Hamburg untersagte dem Sender diese Äußerung im Oktober 2024 als unwahre Tatsachenbehauptung; der Beitrag musste aus der Mediathek. Die ZDF-Verteidigung vor Gericht ist der eigentliche Befund: eigene Nachrecherche sei „im Rahmen der tagesaktuellen Berichterstattung aus Zeitgründen in aller Regel nicht möglich". Das Gericht folgte dem nicht. Übersetzt heißt das: Wir geben weiter, was andere recherchiert haben, und prüfen es nicht. Wer sich die Correctiv-Strukturanalyse danebenlegt — staatliche Förderung, parteipolitisch besetzter Aufsichtsrat —, sieht, warum die ungeprüfte Übernahme kein Detail ist.

Das Falschzitat zu Charlie Kirk (September 2025). ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen sagte bei Markus Lanz, Kirk habe gefordert, „dass Homosexuelle gesteinigt werden müssen". Kirk hatte auf eine Bibelstelle verwiesen, nicht selbst eine Steinigung verlangt. Theveßen entschuldigte sich schriftlich am 1. Oktober. Eine Verkürzung, keine Erfindung — wir haben den Fall bereits im September 2025 beschrieben. Bemerkenswert ist das Danach: Die Korrektur erschien nicht in der Sendung und bis heute nicht auf der ZDF-Korrekturen-Seite (Stand 17.06.2026).

Die Falschgrafik zur Baden-Württemberg-Wahl (März 2026). In „ZDF heute live" und „heute in Deutschland" erschien eine Sitzverteilungsgrafik, in der die AfD mit 35 Sitzen kaum größer dargestellt war als die SPD mit 10. Schausten räumte vor dem Fernsehrat ein, der AfD-Anteil sei „proportional zu klein" gewesen. Dieser Fall gehört zur Ehrlichkeit dazu: Er wurde noch am selben Tag korrigiert. Das spricht gegen systematische Vertuschung — und gehört in jede faire Bilanz.

Die Brosius-Gersdorf-Berichterstattung (Juli 2025). Das ZDF gab eine Unterlassungserklärung ab und machte zwei gezeigte Artikel nachträglich unkenntlich — obwohl das ZDF vor dem Unterlassungsverfahren einräumte, die gezeigten Artikel seien selbst keine Falschmeldungen gewesen. Auch dieser Fall fehlt auf der Korrekturen-Seite.

Das Muster ist nicht der Fehler — es ist der Umgang damit
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Fehler passieren in jeder Redaktion. Der Maßstab ist nicht ihre Existenz, sondern was danach geschieht. Hier zeigt sich die Linie, die die fünf Fälle verbindet:

Korrigiert wird, was öffentlich auffliegt und sich nicht mehr halten lässt — der KI-Fake, die Wahlgrafik. Was leiser bleibt, verschwindet leiser: Der Kirk-Fall, die Brosius-Gersdorf-Sache, das Correctiv-Urteil tauchen auf der eigenen Korrekturen-Seite nicht auf. Die Korrekturen-Seite führt kein einziges gerichtlich festgestelltes Fehlurteil. Eine Korrekturen-Seite, die die vom Landgericht Hamburg untersagte Falschbehauptung nicht führt, ist keine Transparenz, sondern deren Anschein.

Und die personellen Konsequenzen folgen demselben Muster — nur dass es hier ein konkreter Schutzreflex nach oben ist. Nach dem KI-Fake wurde die Korrespondentin abberufen — die Ausführende. Die zweistufige Freigabe, deren Fehlen der eigene Maßnahmenkatalog später benennt, war Verfahrenspflicht, kein Ermessen. Verantwortet wird dieses Verfahren von der Chefredaktion, in deren Haus die eigene KI-Regel seit Oktober 2023 — 28 Monate — im Echtbetrieb nicht griff. Abberufen wurde die, die ausführte. Im Amt blieb die, die das Verfahren verantwortet. Das ist die Konstante, die wir in dieser Serie von Anfang an beschrieben haben: Wer intern Fragen stellt, wird zum Problem erklärt — nicht der Fehler.

Warum das nicht Pech ist
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Der naheliegende Einwand lautet: ein Cluster, kein System. Fünf Fälle in zwei Jahren — vielleicht eine schlechte Phase, kein struktureller Befund. Das ist ehrlich zu prüfen, und ein Teil davon stimmt: Ein durchgehendes Muster über Jahrzehnte lässt sich aus dem zugänglichen Material nicht belegen. Die dokumentierten Fälle ballen sich in 2024 bis 2026.

Aber die Häufung steht nicht im luftleeren Raum. Schon 2009 lehnte der CDU-dominierte ZDF-Verwaltungsrat die Vertragsverlängerung von Chefredakteur Nikolaus Brender ab — Roland Koch hatte dessen Berichterstattung als zu kritisch empfunden. Das Bundesverfassungsgericht erklärte 2014 die staatsnahe Gremienzusammensetzung des ZDF für verfassungswidrig. Das ist kein Fehlerfall — es ist die Rahmenbedingung, in der Fehler entstehen und nicht aufgearbeitet werden. Ein Sender, dessen Kontrollgremien parteipolitisch durchsetzt sind und der Korrekturen selektiv dokumentiert, hat keine wirksame innere Instanz, die ihn vor dem nächsten Fall schützt.

Dass diese Rahmenbedingung die konkreten fünf Fälle zwingend verursacht, lässt sich nicht beweisen — der Zusammenhang ist plausibel, nicht lückenlos belegt. Aber er ist die naheliegendste Erklärung dafür, dass die Häufung nicht aufgearbeitet, sondern abgearbeitet wird.

Das ist der Unterschied zwischen Pech und Struktur: Pech wiederholt sich zufällig. Eine Struktur, die Fehler nach außen einräumt und nach innen folgenlos lässt, produziert sie verlässlich.

Glaubwürdigkeit ist kein Pressemitteilungs-Begriff
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„Es geht im Kern um die Glaubwürdigkeit unserer Berichterstattung", sagte Schausten nach dem KI-Fake. Der Satz stimmt. Nur ist Glaubwürdigkeit nichts, was eine Entschuldigung herstellt. Sie entsteht, wenn die Korrektur dieselbe Reichweite hat wie der Fehler, wenn die Verantwortung dort landet, wo die Entscheidung fiel, und wenn die eigene Korrekturen-Seite vollständig ist statt kuratiert.

An jedem dieser drei Punkte zeigt die Bilanz der letzten 24 Monate dasselbe: Das ZDF kann Fehler einräumen. Es hat noch nicht gezeigt, dass es aus ihnen die Konsequenz zieht, die es von anderen Institutionen einfordern würde.

Dies ist Teil 4 unserer Serie zum ZDF und zur Aufsichtsstruktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Teil 1–3: Der Whistleblower als Feind, Alternativlos, Der Intendant und der „Feind".

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