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Das Landecker-Netzwerk: Wer bezahlt Deutschlands Meinungswächter?

Wer entscheidet, was im deutschen Internet als Hassrede gilt? Und wer bezahlt dafür? Ein Blick auf die Alfred Landecker Foundation zeigt ein Netzwerk, das gleichzeitig den einflussreichsten deutschen “Extremismus-Monitor” finanziert — und eine KI, die Hassrede automatisiert erkennen soll.

Die Stiftung
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Die Alfred Landecker Foundation wurde 2019 von Peter Harf gegründet, dem langjährigen Chef von JAB Holding — der Beteiligungsgesellschaft der Familie Reimann, bekannt durch Marken wie Jacobs-Kaffee, Douwe Egberts und Krispy Kreme. Die Stiftung ist nach Alfred Landecker benannt, einem jüdischen Kaufmann, der in der NS-Zeit ermordet wurde. Ihr erklärtes Ziel: Holocaust-Erinnerung, Antisemitismus-Bekämpfung, Demokratiestärkung.

Im Stiftungsrat sitzt unter anderem Joschka Fischer — Außenminister a.D., Grünen-Urgestein und seit 2008 als Senior Strategic Advisor tätig. Laut Wikipedia und mehreren Lexika ist Fischer Mitglied des Stiftungsrats der Landecker Foundation.

Förderung #1: CeMAS — 2,8 Millionen Euro
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Als exklusiver Gründungsförderer finanzierte die Landecker Foundation das Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) von 2021 bis 2024 mit 2,8 Millionen Euro. Anschließend folgte eine weitere “substanzielle Anschlussförderung”.

CeMAS, geleitet von Pia Lamberty, versteht sich als wissenschaftliche Instanz gegen Verschwörungsideologien und Extremismus. In der Praxis ist das Institut vor allem bekannt als verlässlicher Taktgeber für Medien und Politik: Wer von CeMAS als Verschwörungstheoretiker eingestuft wird, findet sich im nächsten ARD-Bericht wieder.

Die Kritik: Wirtschaftsjournalist Norbert Häring hat CeMAS mehrfach scharf kritisiert — unter anderem wegen der Rolle Lambertys während der Corona-Zeit. Häring wirft dem Institut vor, wissenschaftlich verbrämte Diffamierung zu betreiben: CeMAS-Mitarbeiter würden “auf Zuruf Kritiker der Mächtigen in pseudowissenschaftlicher Blähsprache als Antisemiten und Verschwörungstheoretiker verunglimpfen.”

Konkret bezieht sich die Kritik auf Lambertys Aktivitäten rund um die Impfdebatte: Wer Fragen zur Impfpflicht oder zu Corona-Maßnahmen stellte, lief Gefahr, von CeMAS in die Extremismus-Ecke gestellt zu werden.

Förderung #2: “Decoding Antisemitism” — KI zur Hassrede-Erkennung
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Weniger bekannt, aber ebenso interessant: Die Landecker Foundation finanzierte auch das Projekt “Decoding Antisemitism” — ein KI-Forschungsprojekt am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin.

Das Projekt, gestartet im Sommer 2020 als dreijähriges Pilotprojekt, zielt darauf ab, antisemitische Hassrede im Internet automatisiert zu erkennen — explizit und implizit, also auch Ironie, Codes und verklausulierte Formulierungen. Partner waren neben der TU Berlin die HTW Berlin, das King’s College London und das HateLab Cardiff.

Die Frage, die sich stellt: Eine Stiftung finanziert gleichzeitig

  1. den führenden deutschen “Extremismus-Monitor” (CeMAS), der Einfluss auf politische und mediale Narrative hat
  2. eine KI, die automatisiert entscheidet, was als Hassrede gilt

Das ist kein Verschwörungstheorie-Stoff — das sind öffentlich einsehbare Förderstrukturen.

Was das bedeutet
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Man muss nicht böse Absicht unterstellen, um die strukturellen Fragen zu stellen:

Wer legt die Trainingsdaten fest? Eine KI, die Hassrede erkennt, lernt aus Beispielen — die von Menschen kuratiert werden. Welche Ideologie fließt in diese Kuration ein?

Wer profitiert? Plattformen und Behörden, die solche Tools einsetzen, delegieren Entscheidungen über Meinungsfreiheit an Algorithmen — deren Grundannahmen intransparent bleiben.

Wer kontrolliert die Kontrolleure? CeMAS wird als neutrale wissenschaftliche Instanz behandelt, ist aber zu 100% von einer privaten Stiftung abhängig — die wiederum einen klaren ideologischen Auftrag hat.

Das Landecker-Netzwerk ist kein Geheimplan. Es ist öffentlich finanziert, öffentlich dokumentiert — und wird trotzdem kaum hinterfragt.


Quellen:

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