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8,7 Milliarden Euro. Null Aufarbeitung. Das Systemversagen des ÖRR.

Medienkritik - Dieser Artikel ist Teil einer Serie.
Teil : Dieser Artikel

Die Deutschen zahlen 18,36 Euro im Monat. Jeden Monat. Ob sie wollen oder nicht. Das ergibt 8,7 Milliarden Euro im Jahr. Dafür bekommen sie: Traumschiff. Pilcher. Rosamunde. Und eine Corona-Berichterstattung, die sich im Nachhinein als das herausstellt, was sie von Anfang an war — regierungsnah, einseitig und ohne jeden Widerspruch.

Drei Jahre nach dem Ende der Maßnahmen ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme. Nicht weil es bequem wäre. Sondern weil es nötig ist.

Die Struktur: Wer kontrolliert den Kontrolleur?
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Der Rundfunkrat soll die Öffentlichkeit vertreten. Das ist die Theorie. Die Praxis sieht anders aus.

Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung aus dem Jahr 2025 zeigt: 41 Prozent der Rundfunkratsmitglieder sind parteinah oder parteigebunden. Bei den Verwaltungsräten sind es mindestens 53 Prozent. Das Bundesverfassungsgericht hat 2014 entschieden, dass maximal ein Drittel staatsnah sein darf. Die Sender ignorieren das. Seit über zehn Jahren.

Ehemalige Minister sitzen in den Gremien. Parteifunktionäre. Gewerkschaftsvorsitzende mit Parteibuch. Der Beitragszahler hat kein Wahlrecht. Keine Stimme. Keine Mitsprache. Er zahlt. Das reicht.

Die Transparenz der Gremienarbeit ist laut Studie mangelhaft. Der Austausch mit dem Publikum findet nicht statt. Die Kontrolle kontrolliert sich selbst. Das Ergebnis überrascht niemanden.

Die Beschwerde: Ein System ohne Ventil
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Wer sich beschwert, wird abgewiesen. Die Zahlen sind vernichtend.

Von 2016 bis 2021 wurden bei ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutscher Welle 377 Programmbeschwerden eingereicht. 99,1 Prozent wurden abgelehnt. Genau zwei wurden als berechtigt anerkannt. Zwei. Von 377.

Im Jahr 2024 stieg die Zahl auf 1.129 Beschwerden — 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Fünf davon wurden als berechtigt anerkannt. Fünf von 1.129. Das ist eine Erfolgsquote von 0,44 Prozent.

Das ist keine Qualitätssicherung. Das ist ein Abwehrmechanismus.

Corona: Die Stunde der Einheitsmeinung
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Während der Pandemie wurde der öffentlich-rechtliche Rundfunk zum Sprachrohr der Regierung. Nicht zum Korrektiv. Nicht zum Fragesteller. Zum Sprachrohr.

Studien zeigen: Der mediale Fokus lag stark auf Regierungspolitikern. Oppositionspolitiker kamen seltener vor als in normalen Zeiten. Kritische Wissenschaftler — Ioannidis, Bhakdi, Streeck — wurden ignoriert, lächerlich gemacht oder als Schwurbler markiert. Wer Fragen stellte, war der Feind.

Wie wir bereits in unserem Artikel über Intendant Himmlers Feindmarkierung dokumentiert haben: Das ZDF spricht heute offen vom “Feind” — und meint damit seine eigenen Kritiker.

Was hat sich im Nachhinein als falsch oder zumindest fragwürdig herausgestellt?

  • Masken im Freien: Weitgehend wirkungslos. Aerosol-Forscher sagten es früh. Die Sender ignorierten es.
  • Schulschließungen: Die Schäden für Kinder waren gravierend. Die Wirksamkeit war gering. ARD und ZDF fragten nicht nach.
  • Impfnebenwirkungen: Wurden monatelang heruntergespielt oder verschwiegen. Post-Vac-Patienten kamen erst spät — und dann am Rand — vor.
  • Lockdown-Wirksamkeit: International umstritten. Im deutschen ÖRR: alternativlos.

Die Glaubwürdigkeit der Medien stieg zu Beginn der Pandemie. Dann sank sie. Weil die Menschen ihren eigenen Standpunkt nicht mehr wiederfanden.

Die RKI-Protokolle: Und der ÖRR schwieg
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Im März 2024 veröffentlichte das Multipolar-Magazin die Protokolle des RKI-Krisenstabs. 2.500 Seiten. Geschwärzt, dann entschwärzt, dann geleakt. Es war die größte journalistische Enthüllung zur Pandemie-Politik in Deutschland.

Und wer hat sie geleistet? Nicht die ARD. Nicht das ZDF. Nicht der Deutschlandfunk. Ein kleines Online-Magazin mit einer Handvoll Redakteure.

ARD und ZDF berichteten erst, als sie nicht mehr schweigen konnten. Das ZDF erklärte dann prompt, die Protokolle enthielten “keine neuen politischen Skandale”. Aufarbeitung sieht anders aus.

Ein offener Brief an die ARD, veröffentlicht in der Berliner Zeitung, forderte: “Machen Sie endlich ernsthafte Corona-Aufklärung!” Die Antwort blieb aus.

Ole Skambraks: Der Mann, der sprach
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Im Oktober 2021 veröffentlichte der SWR-Mitarbeiter Ole Skambraks einen offenen Brief unter dem Titel “Ich kann nicht mehr”. Er kritisierte die Corona-Berichterstattung seines Senders als einseitig und unausgewogen.

Skambraks arbeitete bei SWR2 in der Programmgestaltung. Er kannte den Laden von innen.

Die Reaktion des SWR: Kündigung. Im November 2021. Die Begründung: “Falsche Tatsachenbehauptungen” und “empfindliche Störung des Betriebsfriedens”. Nicht die Einseitigkeit war das Problem. Sondern dass jemand sie benannt hat.

Skambraks gründete danach “Meinungsvielfalt.jetzt” — eine Plattform, auf der Kollegen aus den Sendern anonym über die Zustände berichten können. Dass so etwas nötig ist, sagt alles.

Böhmermann: Hofnarr oder Regierungssprecher?
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Jan Böhmermann ist das Aushängeschild des modernen ZDF. Sein “Magazin Royale” vermischt Satire und politischen Aktivismus. Kritiker sagen: Er nutzt die Unterhaltungslizenz, um ideologische Kampagnen zu fahren — mit dem Schutzschild des Humors.

Der Fall Schönbohm machte es aktenkundig. Böhmermann unterstellte dem damaligen BSI-Chef Arne Schönbohm eine Nähe zu russischen Akteuren. Bundesinnenministerin Faeser versetzte Schönbohm daraufhin. Das Landgericht München I urteilte im Dezember 2024: Das ZDF hat falsch berichtet. Vier von fünf Aussagen wurden verboten. Satire braucht einen wahren Kern — der fehlte.

Ein Polizist reichte eine Programmbeschwerde gegen Böhmermann ein. Er schrieb: “Böhmermann nutzt seine Reichweite, um unliebsame Existenzen zu vernichten.” Der ZDF-Fernsehrat schloss die Reihen. Die Beschwerde wurde abgewiesen.

Das ZDF kündigte an, die Zusammenarbeit mit Böhmermann 2026 fortzusetzen. Natürlich.

Die Gehälter: Luxus auf Kosten der Bürger
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WDR-Intendant Tom Buhrow: 413.100 Euro. SWR-Chef Kai Gniffke: 392.530 Euro. ZDF-Intendant Norbert Himmler: 384.061 Euro. Das sind keine Marktgehälter. Das sind Versorgungsposten.

Dazu kommen die Pensionen. Für den ehemaligen ZDF-Intendanten Bellut wird eine monatliche Pension von mindestens 20.000 Euro geschätzt. Das ZDF weist für seine sechsköpfige Führungsspitze 17,3 Millionen Euro an Pensionsrückstellungen aus. Für sechs Personen.

Die Berliner Zeitung rechnete vor: 2.000 Familien arbeiten, um das Gehalt von Tom Buhrow zu finanzieren. 2.000 Familien. Für einen Mann.

Wie wir in unserem Artikel zu den Flaggen- und Grafik-Pannen gezeigt haben: Für 8,7 Milliarden Euro schaffen es diese Sender nicht einmal, Länderflaggen korrekt zuzuordnen oder Wahlgrafiken fehlerfrei zu erstellen.

Das britische Spiegelbild: Die BBC
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Wer denkt, das sei ein deutsches Problem, irrt. Die BBC kämpft mit denselben Dämonen.

Im Jahr 2024 manipulierte die BBC eine Trump-Rede in ihrer Panorama-Sendung. Teile wurden so geschnitten, dass der Eindruck entstand, Trump habe zum Sturm auf das Kapitol aufgerufen. Ein Redaktionsfehler, hieß es.

Eine Studie der Cardiff University ergab 2025, dass die BBC Reform UK in einem Viertel ihrer Nachrichtensendungen behandelte — aber die Liberal Democrats nur in 17,9 Prozent. Die drittgrößte Partei des Landes wurde systematisch unterrepräsentiert.

Im Gaza-Konflikt übersetzte die BBC das arabische Wort “Yahud” (Juden) mindestens fünfmal falsch als “Israel” oder “israelische Kräfte”. Eine Untersuchung fand 1.553 Verstöße gegen die eigenen Richtlinien innerhalb von vier Monaten.

YouGov meldete 2023: Nur 22 Prozent der Briten halten die BBC für neutral.

Der Befund ist international: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat ein strukturelles Problem mit Unabhängigkeit. Es liegt im System. Nicht in einzelnen Redakteuren.

Die Gegenöffentlichkeit: Wer tut, was der ÖRR lässt
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Während ARD und ZDF die Corona-Berichterstattung als erledigt betrachteten, entstanden Plattformen, die die Lücken füllten.

Multipolar befreite die RKI-Files. Ein Magazin mit drei Redakteuren tat, was 20.000 ÖRR-Mitarbeiter nicht taten.

Kontrafunk, gegründet vom ehemaligen Deutschlandfunk-Redakteur Burkhard Müller-Ullrich, wurde zum führenden unabhängigen Radiosender Deutschlands.

NachDenkSeiten, seit 2004 online, lieferte kontinuierlich Gegenperspektiven zur offiziellen Darstellung.

Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was auf diesen Plattformen steht. Aber man muss anerkennen: Sie haben eine Aufgabe übernommen, die der ÖRR aufgegeben hat. Die Aufgabe, Fragen zu stellen.

Wie die ARD ihre eigene Geschichte umschreibt, haben wir am Beispiel der Fukushima-Berichterstattung dokumentiert — 15 Jahre alte Falschdarstellungen werden einfach recycelt.

Die Forderung: Reform oder Abschaffung
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Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Ein Kontrollsystem, das zu 41 Prozent parteinah besetzt ist. Ein Beschwerdesystem mit einer Erfolgsquote von 0,44 Prozent. Ein Budget von 8,7 Milliarden Euro für eine Berichterstattung, die sich als regierungsnah erwiesen hat. Whistleblower, die gefeuert werden. Satiriker, die Fake News verbreiten und gerichtlich verurteilt werden — und trotzdem weitermachen dürfen. Intendanten mit Gehältern jenseits der 400.000 Euro und Pensionen, von denen normale Bürger nicht einmal träumen können.

Das ist kein Rundfunk der Öffentlichkeit. Das ist Rundfunk gegen die Öffentlichkeit.

Die Frage ist nicht, ob der ÖRR reformiert werden muss. Die Frage ist, ob er noch reformierbar ist.


Quellen
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  1. Otto-Brenner-Stiftung: Rundfunkräten mangelt es an Transparenz und Austausch mit dem Publikum — Studie zur Zusammensetzung und Parteinähe der Rundfunkräte

  2. PRO Medienmagazin: Abgelehnte Programmbeschwerden: Unantastbarer Rundfunk? — Statistiken zu Programmbeschwerden 2016–2021

  3. Übermedien: Was bringen eigentlich Programmbeschwerden? — Analyse der Erfolgsquote von Beschwerden 2024

  4. Stuttgarter Zeitung: SWR kündigt Mitarbeiter wegen „falscher Tatsachenbehauptungen" — Der Fall Ole Skambraks

  5. NZZ: Böhmermann und ZDF unterliegen vor Gericht: Fake News über Ex-BSI-Chef Schönbohm — LG München I, Dezember 2024

  6. Handelsblatt: Erträge von ARD und ZDF sinken auf rund 8,7 Milliarden Euro — Finanzierung des ÖRR

  7. Berliner Zeitung: 2000 Familien bezahlen das Gehalt von Tom Buhrow — Intendantengehälter im Vergleich

  8. Multipolar: RKI-Protokolle: „Es soll hochskaliert werden" — Veröffentlichung der RKI-Krisenstabsprotokolle

  9. Berliner Zeitung: Offener Brief an die ARD: Machen Sie endlich ernsthafte Corona-Aufklärung! — Forderung nach Aufarbeitung

  10. Reuters Institute / Oxford: The BBC is under scrutiny — Internationale Perspektive auf öffentlich-rechtliche Krise

  11. Telepolis: ZDF-Spitze: Traumrenten aus dem Rundfunkbeitrag — Pensionsverpflichtungen der Senderführungen

  12. ZDF Heute: Wissenschaftler kritisiert Berichterstattung in Corona-Krise — Studie zur einseitigen Berichterstattung


8,7 Milliarden Euro im Jahr. 20.000 Mitarbeiter. Null Konsequenzen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nicht kaputt gegangen. Er wurde so gebaut.

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