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Ein Fördertopf, viele Empfänger: Omas gegen Rechts und das HateAid-Netzwerk

Medienkritik - Dieser Artikel ist Teil einer Serie.
Teil : Dieser Artikel

Die Omas sind nicht das Problem. Die Omas sind das freundliche Gesicht.
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Wer die Omas sind
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Die “Omas gegen Rechts” sind eine der sympathischsten politischen Bewegungen Deutschlands. Gegründet 2017 in Wien von Monika Salzer, 2018/2019 in Deutschland von Anna Ohnweiler aus Nagold [1][2]. Ältere Frauen die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Strickmützen, Plakate, Demos bei Wind und Wetter.

In Deutschland: Ein eingetragener Verein (OMAS GEGEN RECHTS DEUTSCHLAND E.V.) plus zahlreiche lose Regionalgruppen [1].

Anna Ohnweiler sagt: “Wir versichern, keine institutionelle Förderung aus Steuermitteln oder von Stiftungen zu erhalten.” [3]

Das stimmt — fast.

Nicht gemeinnützig — und stolz darauf
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Ein wichtiges Detail: Der Verein OMAS GEGEN RECHTS DEUTSCHLAND e.V. ist nicht als gemeinnützig anerkannt — und hat die Gemeinnützigkeit auch nie beantragt [Quelle: omas-gegen-rechts.org, 07.02.2025]. Das bedeutet: Keine Spendenbescheinigungen, keine Transparenzpflicht, keine Offenlegung der Finanzen.

Am 7. Februar 2025 veröffentlichte der Verein ein Statement: “Wir engagieren uns ehrenamtlich — keine Finanzierung über Steuermittel.”

Was die Bundesregierung dazu sagt, steht im nächsten Abschnitt.


Was die Bundesregierung sagt
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Im August 2024 beantwortete die Bundesregierung eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Bernd Schattner. Die Zahlen [4][5][6]:

  • 18.000 Euro aus dem Bundesprogramm “Demokratie leben!” (Bundesfamilienministerium, Lisa Paus/Grüne)
  • 5.000 Euro vom Bundeskanzleramt (Integrationsbeauftragte) — an die Untergruppe “Omas gegen Rechts Buxtehude”

23.000 Euro Steuergeld. Nicht viel. Aber es widerspricht der Behauptung “keine Steuermittel”.

Die Omas erklären: Das sei an Regionalgruppen geflossen, nicht an den Bundesverein [7]. Das mag organisatorisch stimmen — aber das Geld kam vom Staat und ging an Gruppen die unter dem gleichen Namen operieren.


Was der Presserat sagt
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WELT und BILD titelten 2025: “Steuergeld für Straßenkampf” und “Regierungsgeld für Demos gegen Rechts.” Der Presserat rügte beide im Februar 2026 — es fehlten “hinreichende Belege” für die Behauptung dass direkt Steuergeld für Demos geflossen sei [8].

Die Rüge ist berechtigt: 23.000 Euro über Förderprogramme ist nicht dasselbe wie “Regierung finanziert Demos.”

Aber die Rüge ändert nichts an der Tatsache: Geld vom Staat ist Geld vom Staat. Ob es für Demos oder für “Projektarbeit” verwendet wird — es fließt in eine Organisation die politisch agiert.


Der gleiche Fördertopf
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“Demokratie leben!” ist das zentrale Bundesprogramm zur Förderung von “Demokratie und gegen Extremismus.” Aus diesem Topf werden unter anderem finanziert [9]:

Organisation Was sie tut
Omas gegen Rechts Demos, Kundgebungen, “gegen Rechts”
HateAid Beratung bei digitaler Gewalt, fordert schaerfere Gesetze
Amadeu Antonio Stiftung Monitoring “rechter” Netzwerke, Meldeportale

Drei Organisationen. Ein Fördertopf. Dieselbe politische Richtung.


Der gemeinsame Appell
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Im März 2025 veröffentlichten vier Organisationen einen gemeinsamen Online-Appell: “Schutz der Zivilgesellschaft muss in den Koalitionsvertrag!” 475.000 Unterschriften [10].

Die Unterzeichner:

  1. Campact
  2. foodwatch
  3. Amadeu Antonio Stiftung
  4. Omas gegen Rechts

Campact ist derselbe Verein der 33,32% an HateAid hält — der Organisation die Identifikationspflicht im Internet fordert und die Fernandes-Demo am Brandenburger Tor mitorganisiert hat. Unsere vollständige HateAid-Recherche hier.

Die Omas sitzen mit Campact am Tisch. Campact gründet HateAid. HateAid fordert Klarnamen. Die Omas wissen das wahrscheinlich nicht.


Die CDU-Anfrage
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Im Februar 2025 stellte die CDU/CSU-Fraktion 551 Fragen zur Finanzierung gemeinnütziger Organisationen [9]. Darunter:

  • Omas gegen Rechts
  • Campact
  • Amadeu Antonio Stiftung
  • BUND
  • Foodwatch
  • Netzwerk Recherche

17 Organisationen. Alle im gleichen politischen Spektrum. Die Bundesregierung verteidigte die Förderung [9].

Die Anfrage wurde von Medien als “Angriff auf die Zivilgesellschaft” geframed. Ob die 551 Fragen berechtigt waren, kann jeder selbst beurteilen. Dass sie gestellt werden mussten, sagt etwas über die Transparenz.


Amadeu Antonio Stiftung: Die Verbinderin
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Die Amadeu Antonio Stiftung taucht überall auf [11][12]:

  • Fördert die Omas gegen Rechts aktiv — berichtete wohlwollend über sie, veranstaltete deren ersten Bundeskongress in Erfurt (August 2025) [12]
  • Wird gefördert aus “Demokratie leben!” — gleicher Fördertopf wie die Omas
  • Unterzeichnet den gemeinsamen Appell mit Campact und den Omas
  • Wurde abgefragt in der CDU/CSU 551-Fragen-Anfrage

Eine Stiftung die gleichzeitig Förderer, Mitorganisator, politischer Verbündeter und Mitunterzeichner ist — im gleichen Netzwerk, aus dem gleichen Topf.


Was das bedeutet — und was nicht
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Dieser Artikel behauptet nicht, dass die Omas gegen Rechts eine gesteuerte Organisation sind. Die meisten Omas sind genau das was sie scheinen: Engagierte ältere Frauen die sich Sorgen um die Demokratie machen.

Dieser Artikel behauptet auch nicht, dass 23.000 Euro Steuergeld ein Skandal sind. Im Vergleich zu den Millionen die in andere Programme fließen, ist das ein Rundungsfehler.

Was dieser Artikel zeigt:

  1. Die Behauptung “keine Steuergelder” ist falsch — 23.000 Euro sind belegt
  2. Die Omas sitzen im gleichen Netzwerk wie Campact und HateAid — ob bewusst oder nicht
  3. Der gleiche Fördertopf finanziert Omas, HateAid und Amadeu Antonio gleichzeitig
  4. Der gemeinsame Appell verbindet Organisationen die sehr unterschiedliche Ziele haben — von Strickmützen bis Identifikationspflicht

Die Omas sind die freundlichen Gesichter. Die Frage ist nicht ob sie ehrlich sind. Die Frage ist: Wer steht hinter den anderen Gesichtern am gleichen Tisch?


Quellen
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[1] Wikipedia EN: Omas gegen Rechts. en.wikipedia.org

[2] SWR Kultur (06.03.2025): Streiten für die Demokratie — Anna Ohnweiler, Gründerin von Omas gegen Rechts. swr.de

[3] HNA (30.09.2025): Die Mutter der Bewegung: Diese Frau gründete die “Omas gegen Rechts”. hna.de

[4] Lokalkompass Ratingen (10.02.2025): Vom Bundeskanzler und Grünen-Ministerin gesponsert: “Omas gegen rechts”: Wer steckt dahinter? lokalkompass.de

[5] Weltwoche (11.02.2025): Linke Folklore mit Staatsgeld: Wer finanziert die “Omas gegen rechts”? weltwoche.ch

[6] Focus (28.02.2025): Gruppe von “Omas gegen Rechts” bekam 5000 Euro von Kanzleramt. focus.de

[7] Vorwärts (14.03.2025): Anfrage zu Omas gegen rechts: “Die CDU hat uns damit viele Probleme bereitet”. vorwaerts.de

[8] Übermedien (06.02.2026): Kein Regierungsgeld für “Demos gegen Rechts”: Presserat rügt Vorwürfe gegen NGOs in “Welt” und “Bild”. uebermedien.de

[9] tagesschau (07.04.2025): Bundesregierung verteidigt staatliche NGO-Förderung. tagesschau.de

[10] Campact Pressemitteilung (03.03.2025): 475.000 Menschen fordern: Schutz der Zivilgesellschaft muss in den Koalitionsvertrag. campact.de

[11] Amadeu Antonio Stiftung (09.04.2020): Aktiv auch im Netz: Die “Omas gegen Rechts” erobern das Internet. amadeu-antonio-stiftung.de

[12] Amadeu Antonio Stiftung (29.08.2025): Laut, entschlossen und hartnäckig: Die Omas gegen Rechts halten beim ersten Bundeskongress in Erfurt dagegen. amadeu-antonio-stiftung.de


Die Omas stricken. Campact plant. HateAid fordert. Amadeu Antonio vernetzt. Und “Demokratie leben!” bezahlt alle aus dem gleichen Topf. Die Omas wissen wahrscheinlich nicht, wer am anderen Ende des Tisches sitzt. Vielleicht sollten sie mal nachfragen.

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