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Der Intendant und der "Feind": Wie das ZDF seine eigenen Leute verrät

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Am 13. März 2026 wurde Norbert Himmler vom ZDF-Fernsehrat als Intendant wiedergewählt. Ohne Gegenkandidat. 48 von 53 Stimmen. Nordkoreanisch wäre übertrieben — aber demokratisch sieht anders aus.

In seiner Bewerbungsrede sprach Himmler von einer “wachsenden Zahl von Menschen, die nur noch das glauben, was in ihr Weltbild passt.” Er sprach vom “Feind”. Er will das ZDF als “relevanten Faktor für unsere Demokratie” positionieren.

Die Antwort kam von einer Frau, die 18 Jahre lang für genau diesen Sender gearbeitet hat. Von innen. Katrin Seibold — Autorin, Reporterin, Moderatorin bei 3sat Kulturzeit, von 2003 bis 2021.


Seibolds Antwort
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“Ja, Herr Himmler, Sie sagen es: ‘In Deutschland gibt es eine wachsende Zahl von Menschen, die nur noch das glauben, was in ihr Weltbild passt.’ Wer hat damit angefangen?”

Eine Frage, die es in sich hat. Denn Seibold beantwortet sie gleich selbst: Sie ist über 18 Jahre lang Zeuge geworden, wie das ZDF ein ganz bestimmtes Weltbild kreiert hat — nicht abgebildet, kreiert. Und alles, was nicht hineinpasste, wurde denunziert.

Die Kampfbegriffe, die sie benennt: “Putinversteher”, “Coronaleugner”, “Verschwörungstheoretiker”, “Aluhutträger”. Begriffe, die das ZDF nicht erfunden hat, aber mit voller Wucht in den öffentlichen Diskurs gedrückt hat. Seibold sagt, sie hat diese Begriffe bewusst in keiner ihrer Publikationen für 3sat benutzt — und entsetzt zugesehen, wie sie sich ausbreiteten.


Die Chronologie des Verrats
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2021: Seibold stellt Fragen — das ZDF stellt sie kalt
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Katrin Seibold wollte in Redaktionssitzungen diskutieren. Über den Ursprung des Begriffs “Querdenker”. Über Kinder in der Pandemie. Über die Frage, ob die eigene Berichterstattung ausgewogen sei.

Die Antwort des Senders kam schriftlich: “Redaktionssitzungen werden von Ihnen immer wieder für Kritik am System genutzt. Bei den Kolleg:innen hat das erhebliche Störgefühle ausgelöst. Das Vertrauensverhältnis ist nachhaltig gestört.” [1]

Nach 18 Jahren — raus. Nicht wegen schlechter Arbeit. Wegen Fragen.

2021: Ole Skambraks sagt “Ich kann nicht mehr” — der SWR kündigt
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Fast zeitgleich veröffentlichte SWR-Mitarbeiter Ole Skambraks einen offenen Brief: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk berichte einseitig über die Pandemie, unterdrücke abweichende Stimmen und diffamiere sie als rechtsaußen [2]. Der SWR kündigte ihm — wegen “falscher Tatsachenbehauptungen” und “Störung des Betriebsfriedens”.

Das Muster ist identisch: Wer von innen kritisiert, wird als Störer markiert und entfernt.

2022: Seibold geht an die Öffentlichkeit
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Auf Bild TV berichtet Seibold, wie das ZDF bewusst Fake News hergestellt hat. Ein Beispiel: Das amerikanische Büro des ZDF habe den Auftrag bekommen, einen Beitrag über einen Giftgasalarm zu produzieren. Dieser habe so nicht stattgefunden. Da der Beitrag aber bestellt war, habe das Studio Bekannte überredet, vor der Kamera besorgte Bürger zu spielen [1].

Gestellte Szenen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Bezahlt mit Gebührengeldern.

Februar 2026: KI-Fake im heute journal
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Ein unlabeled KI-generiertes Fake-Video im heute journal. Ein Whistleblower deckt es auf — und wird von über 600 ZDF-Kolleg:innen als “Verräter” gebrandmarkt. Nicht der Fake war das Problem. Der, der ihn aufdeckte, war das Problem.

März 2026: Himmler wiedergewählt — spricht vom “Feind”
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Und nun erklärt der wiedergewählte Intendant — ohne Gegenkandidat, in einer Wahl die an Einparteiensysteme erinnert — die Kritiker zum “Feind”.


Wer sitzt im Fernsehrat?
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Die 53 Menschen, die Himmler gewählt haben, sind laut Medienstaatsvertrag die “Anwälte des Publikums”. In Wirklichkeit sitzen dort:

  • Lisa Paus — abgewählte Bundesministerin
  • Heiko Maas — abgewählter Bundesaußenminister
  • Vertreter von BUND, NABU, Gewerkschaften, Kirchen
  • Parteipolitisch durchsetzte Verbände und NGOs

Welt-Redakteur Andreas Rosenfelder formulierte es treffend: Der Fernsehrat ist “faktisch eine Ständevertretung des politischen Beamtenapparats und der durchpolitisierten Verbands- und NGO-Landschaft”. Er repräsentiert “alle möglichen Interessen, aber sicher nicht jene der gebührenzahlenden Bevölkerung.” [3]

48 von 53 dieser Vertreter fanden Himmlers Arbeit gut genug für fünf weitere Jahre.


Der Elefant im Raum
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Seibold benennt ihn direkt: Die Impfnebenwirkungen. Ein Tabu im ZDF. Sie verweist auf ZDF-Reporterin Susanne Gelhar (@susa7170), die Beiträge über Impfschäden produziert hat — als eine der wenigen im eigenen Haus.

Seibolds Forderung an Himmler:

  • Task Force zur Aufarbeitung der RKI-Files — mit aktuellen ZDF-Reportern
  • Einladung an Aya Velazquez, Bastian Barucker und Stefan Homburg zum offenen Austausch
  • Entschuldigung bei den Gebührenzahlern für Pharma-Marketing statt kritische Berichterstattung
  • Dialog mit den Gruppen, die das Programm bezahlen müssen aber verweigern

Stattdessen spricht der Intendant vom “Feind”.


Das Muster
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Was Seibolds Aussage so wertvoll macht: Sie bestätigt von innen, was Millionen Deutsche von außen längst spüren.

Was behauptet wird Was Insider berichten
“Unabhängiger Journalismus” Beiträge werden umgeschnitten bis sie die gewünschte Linie treffen [1]
“Ausgewogene Berichterstattung” Kritische Perspektiven werden systematisch unterdrückt [1][2]
“Qualitätsjournalismus” KI-Fakes, gestellte Szenen, bestellte Beiträge [1]
“Der Feind sind Desinformanten” Wer von innen kritisiert wird entlassen [1][2]
“Dem Publikum verpflichtet” Fernsehrat ist Politikerkartell, nicht Publikumsvertretung [3]

Es sind nicht die Kritiker, die das Vertrauen zerstört haben. Es ist das ZDF selbst.


Was Seibold nicht sagt — aber jeder versteht
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Wenn ein Sender seine eigenen Mitarbeiter entlässt, weil sie Fragen stellen. Wenn der Intendant Kritiker als “Feind” markiert. Wenn die Kontrollgremien aus abgewählten Politikern bestehen. Wenn Whistleblower von 600 Kollegen als Verräter beschimpft werden.

Dann ist das kein öffentlich-rechtlicher Rundfunk mehr. Dann ist das ein Staatsmedium.

Katrin Seibold hat 18 Jahre lang versucht, von innen etwas zu ändern. Es hat nicht funktioniert. Jetzt spricht sie von außen — und bestätigt, was wir seit Jahren schreiben.

Jeden Tag ein Puzzlestück mehr.


Quellen:

  1. Tichy’s Einblick: ZDF entlässt Journalistin wegen kritischer Nachfragen — 2022
  2. DWDL: Betriebsfrieden “empfindlich gestört” — SWR kündigt Mitarbeiter — 2021
  3. FAZ: Norbert Himmler bleibt ZDF-Chef — 2026
  4. Tichy’s Einblick: Wiedergewählter ZDF-Intendant will den “Feind” bekämpfen — 2026
  5. SZ: ZDF-Intendant Himmler wiedergewählt — 2026
  6. Tagesschau: ZDF-Intendant Himmler wiedergewählt — 2026
  7. Henning Rosenbusch: Katrin Seibold Statement — 2026
  8. Götz Frömming MdB: Kommentar zu Seibold — 2026
  9. YouTube: “So verarscht uns das ZDF” — Katrin Seibold Interview — 2026
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