Die Vorwürfe sind real. Die Kampagne auch. Und eine Wortwahl die vom eigentlichen Problem ablenkt. #
Am 19. März 2026 veröffentlichte der Spiegel eine Titelgeschichte: “Du hast mich virtuell vergewaltigt.” Collien Ulmen-Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen — Deepfake-Pornos, Identitätsmissbrauch, psychische Gewalt. Am selben Tag verschickt Ulmens Anwalt Christian Schertz ein presserechtliches Informationsschreiben [1][2].
Beide Seiten waren vorbereitet. Das ist kein Zufall. Aber es ist auch kein Beweis für eine Verschwörung.
Was belegt ist #
Die Vorwürfe basieren auf einer Anzeige, die Fernandes Ende 2025 in Spanien erstattet hat — bewusst dort, weil Spanien strengere Gesetze gegen digitale und häusliche Gewalt hat und Ulmens Hauptwohnsitz dort liegt. Spanische Vorermittlungen laufen [1].
Laut Spiegel soll Ulmen eingeräumt haben: “Ich war das, ich habe das getan.” Die Vorwürfe im Detail [1]:
- Fake-Pornoprofile mit Fernandes’ Identität
- Hunderte Männer unter ihrem Namen kontaktiert
- Telefonsex unter ihrer Identität
- Psychische, emotionale und körperliche Gewalt
Mehrere unabhängige Medien berichten übereinstimmend — Spiegel, tagesschau, Zeit, Frankfurter Rundschau. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Was auffällt: Die Kampagnenstruktur #
Das Timing #
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Dez 2024 | Fernandes veröffentlicht ZDF-Doku “Die Spur: Deepfake-Pornos” — ohne den Täter zu nennen |
| Ende 2025 | Anzeige in Spanien |
| 19.03.2026 | Spiegel-Titelgeschichte + Schertz-Gegenschreiben — am selben Tag |
| 20.03.2026 | Grüne und Linke fordern schärfere Gesetze. Campact hat fertigen Artikel. |
| 21.03.2026 | Fernandes in den tagesthemen. Demo angekündigt. |
| 22.03.2026 | Geplante Demo am Brandenburger Tor |
Innerhalb von 72 Stunden: Titelgeschichte, Gegenanwalt, politische Forderungen, NGO-Kampagne, TV-Auftritte, Demo. Das ist keine organische Nachrichtenentwicklung — das ist ein geplanter Veröffentlichungszeitpunkt, abgestimmt zwischen Fernandes und dem Spiegel.
Was das ist — und was nicht #
Das ist normaler investigativer Journalismus kombiniert mit Advocacy. Fernandes hat sich bewusst entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Spiegel hat die Geschichte recherchiert und mit ihr den Zeitpunkt gewählt. Dass politische Akteure sofort anspringen, ist erwartbar.
Das ist keine Verschwörung. Es ist eine PR-Strategie. Und es ist eine legitime Frage, ob die politische Instrumentalisierung — neue Gesetze innerhalb von 24 Stunden fordern — dem eigentlichen Thema hilft oder schadet.
Der Campact-Vergleich: Gisèle Pelicot #
Campact zieht in seinem Artikel explizit die Parallele zu Gisèle Pelicot — der Französin, die 2024 ihre Vergewaltigungen durch den eigenen Ehemann öffentlich machte und damit eine gesellschaftliche Debatte auslöste [3].
Die Rahmung war vorbereitet: Fernandes als “deutsche Pelicot.” Das setzt Vorlaufzeit voraus. Campact schreibt keinen 2.000-Wörter-Artikel über Nacht.
Cui Bono — Wer profitiert? #
| Akteur | Nutzen |
|---|---|
| Fernandes | Öffentlichkeit, Druck auf spanische Justiz, Selbstermächtigung |
| Spiegel | Titelgeschichte, Reichweite, gesellschaftliche Relevanz |
| Grüne/Linke | Gesetzgebungsagenda Digitale Gewalt |
| Campact | Mobilisierung, Spenden |
| ZDF | Nachträgliche Relevanz für die 2024-Doku |
| HateAid | Gesetzgebung Identifikationspflicht, staatliche Förderung, Relevanz |
| Ulmen | Keinerlei Nutzen |
Von der Satire zur Realität #
2013 moderierte Christian Ulmen auf Tele 5 eine Show mit dem Titel “Who wants to fuck my girlfriend?” [12]. Eine satirische Reality-Spielshow, in der er als Kunstfigur “Uwe Wöllner” — ein “fernsehsüchtiger, ungepflegter und unterbelichteter Durchschnittstyp” — Männer einlud, um seine Freundin zu begutachten [13].
Als Feministinnen protestierten, reagierte Tele 5 mit der nächsten Folge unter dem Titel “Who wants to fuck my LESBIAN girlfriend?” — als, Zitat des Senders, “Dank für das Marketing durch Feministinnen” [14].
Der Spiegel berichtete 2013 über die Show [13]. Derselbe Spiegel, der 2026 die Titelstory “Du hast mich virtuell vergewaltigt” bringt.
13 Jahre später lauten die Vorwürfe seiner Ex-Frau: Er habe Fake-Pornoprofile mit ihrer Identität erstellt und hunderte Männer unter ihrem Namen kontaktiert.
Die Grenze zwischen Performance und Realität war bei Ulmen schon immer fließend. 2013 war es Satire. 2026 ist es eine Strafanzeige. Ob die Show ein Vorbote war oder nur ein geschmackloser Zufall — diese Frage muss die spanische Justiz beantworten, nicht das Feuilleton.
Was sie allerdings zeigt: Der Spiegel, der 2013 die Show als Kulturphänomen einordnete, hätte 2026 den Kontext liefern müssen. Hat er nicht. Kein Wort davon in der Titelstory.
Die eigentliche Agenda: Identifikationspflicht #
Was den Fall von einer persönlichen Tragödie zur politischen Operation macht, ist ein Name: HateAid. nWer hinter HateAid steckt, wer die Organisation finanziert und warum die Kampagne kein Zufall war, haben wir in einer eigenen Recherche dokumentiert.
Fernandes arbeitet mit der NGO HateAid zusammen — einer staatlich geförderten Organisation unter Geschäftsführerin Josephine Ballon, die sich offiziell gegen “digitale Gewalt” einsetzt [11].
Wie lange HateAid den Fall bereits kannte, verrät Geschäftsführerin Ballon selbst — im Interview:
“Ich habe es ja schon vor einigen Monaten erfahren und ich musste es wirklich erstmal bearbeiten.” [15]
Monate. Nicht Tage. Die “tiefe Erschütterung” vor laufender Kamera war keine spontane Reaktion — sie war vorbereitet. Wie die Spiegel-Titelstory. Wie die Schertz-Gegendarstellung am selben Tag. Wie die Campact-Kampagne. Wie die Demo am Brandenburger Tor.
72 Stunden sehen spontan aus. Monate Vorlaufzeit nicht.
In einem gemeinsamen Interview sagt Fernandes den Satz, der den gesamten Fall in ein anderes Licht rückt:
“Deswegen bin ich auch für eine Identifikationspflicht im Netz. Das wäre dann ja gar nicht passiert, wenn es die gäbe.” [11]
Identifikationspflicht. Klarnamenpflicht. Das Ende anonymer Kommunikation im Internet.
Das ist ein Gesetzesvorhaben das seit Jahren in Schubladen liegt — und für das es bisher keine gesellschaftliche Mehrheit gab. Die Begründung war immer dieselbe: Zu viel “Hass im Netz.” Aber der Widerstand war zu groß. Datenschützer, Bürgerrechtler, Journalistenverbände — alle dagegen.
Jetzt gibt es ein Gesicht. Ein Opfer. Eine Spiegel-Titelstory. Eine Demo am Brandenburger Tor. Und plötzlich ist Identifikationspflicht nicht mehr ein Überwachungsinstrument — sondern Opferschutz.
Das ist Policy Laundering: Einen realen Fall benutzen, um ein vorbereitetes Gesetz emotional aufzuladen und durchzudrücken.
Wer verliert die Anonymität? #
Nicht Christian Ulmen. Der ist ohnehin öffentlich bekannt.
Anonymität im Netz schützt:
- Whistleblower — die auf Missstände in Behörden und Konzernen hinweisen
- Coronakritiker — die 2020-2022 für ihre Meinung den Job verloren hätten
- Journalisten — die Quellen schützen müssen
- Oppositionelle — in Ländern mit autoritären Tendenzen
- Impfgeschädigte — die anonym über ihre Erfahrungen berichten, weil sie Stigmatisierung fürchten
Die Identifikationspflicht hätte 2021 bedeutet: Jeder der #allesdichtmachen unterstützt, jeder der Impfnebenwirkungen meldet, jeder der die RKI-Protokolle kommentiert — mit Klarnamen. Durchsuchbar. Kündbar.
Warum Homburg wirklich wütend ist #
Stefan Homburg, Mathematik-Professor und prominenter Corona-Kritiker, kommentierte auf X [4]:
“Ausgerechnet ein Flittchen für diese Kampagne zu nehmen war ähnlich intelligent wie Lauterbachs damalige Idee, die schwer gezeichnete Margarete Stokowski nach ihrem Booster zu präsentieren.”
Die Stokowski-Referenz ist nicht zufällig: Im Oktober 2022 organisierte Lauterbachs BMG eine Long-Covid-Kampagne mit Autorin Margarete Stokowski, die nach ihrem Booster an Long-Covid erkrankt war. Die Kampagne ging nach hinten los — viele sahen sie als Bestätigung für Impfschäden. Die Berliner Zeitung schrieb: “Die Kampagne mit Stokowski ist schon jetzt gescheitert.” [5] Homburg sieht im Fall Fernandes dasselbe Muster: Eine Person wird zum Gesicht einer politischen Kampagne gemacht.
Stefan Homburg hat in der Corona-Aufarbeitung mehr geleistet als die meisten. Er saß in der Enquete-Kommission, hat RKI-Protokolle analysiert, hat sich öffentlich exponiert — als Professor, mit Klarnamen, mit allem was dazugehört. Das verdient Respekt.
Sein “Flittchen”-Kommentar war trotzdem falsch. Nicht weil man Fernandes nicht kritisieren darf — sondern weil es genau die Methode ist, mit der Coronakritiker seit 2020 mundtot gemacht werden: Person angreifen statt Argument prüfen.
Aber wer die HateAid-Pipeline sieht — die staatlich geförderte NGO, die Identifikationspflicht, die 72-Stunden-Kampagne — der versteht, woher die Wut kommt. Homburg sieht, dass ein realer Fall instrumentalisiert wird, um genau die Anonymität abzuschaffen, die Menschen wie ihn bisher geschützt hat.
Die Analyse stimmt. Die Emotion ist nachvollziehbar. Die Wortwahl hat sie leider unsichtbar gemacht.
Der Elefant im Raum #
Während Deutschland in 72 Stunden von Titelstory über TV-Auftritte bis zur Demo am Brandenburger Tor mobilisiert — für Deepfakes eines B-Promis — bleibt eine andere Frage unbeantwortet:
Jeffrey Epsteins Gästelisten sind seit Jahren öffentlich. Prinzen, Präsidenten, Milliardäre. Dokumentierte Besuche auf einer Insel, auf der Minderjährige missbraucht wurden. Keine Demo. Kein Spiegel-Titel. Keine Gesetzesinitiative in 72 Stunden.
Beide Fälle sind real. Beide verdienen Aufklärung. Aber die Gewichtung zeigt, wo die Prioritäten liegen — und wo sie nicht liegen.
Die Moralapostelin #
Noch bevor die Tinte der Spiegel-Titelstory trocken ist, steht Dunja Hayali vor der Kamera. ZDF-Moderatorin. Statement in professioneller Produktion: “Gewalt ist Gewalt. Analog und digital.” Sie fordert Männer auf, “Allies” zu werden. Die deutsche Gesetzgebung müsse “das endlich ernster nehmen” [9].
Das Statement klingt richtig. Es ist auch richtig — Deepfakes brauchen gesetzliche Konsequenzen.
Aber die Absenderin entwertet die Botschaft.
Dunja Hayali hat 2021 in ihrer ZDF-Sendung Ungeimpfte vorgeführt. Sie hat 2G verteidigt. Sie hat Kritiker der Corona-Maßnahmen als Querdenker geframed. Wo war ihr Statement, als:
- Millionen Ungeimpfte aus dem öffentlichen Leben ausgesperrt wurden?
- Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, weil sie eine medizinische Entscheidung selbst treffen wollten?
- Kinder monatelang mit Masken im Unterricht saßen — über eine Altersgruppe, die laut STIKO-Vorsitzendem Berner „nur wenig betroffen" war?
- Eine 81-Jährige am 19. März 2026 von vier Bewaffneten aus der Enquete-Kommission entfernt wurde — weil sie klatschte?
Das war auch Gewalt. Strukturelle Gewalt. Staatliche Gewalt. Soziale Gewalt. Millionenfach. Und Hayali stand auf der Seite derer, die sie ausübten.
Jetzt moralisiert sie über Deepfakes. Im selben ZDF, das seinen Intendanten Himmler ohne Gegenkandidaten wiedergewählt hat. In derselben Anstalt, die ihre eigene Mitarbeiterin Katrin Seibold als “Feindin” markiert hat.
Eine letzte Pointe: Hayali fordert Männer auf, mit „offenem Visier" einzuschreiten. Ihr eigener X-Account mit 480.000 Followern? Auf privat gestellt. „These posts are protected." In der Bio: „This account is not related to ZDF" — während sie in ZDF-Produktion Statements veröffentlicht [10].
Offenes Visier für alle. Geschlossene Tür für sich selbst.
Der moralische Kredit ist aufgebraucht. Wer 2021 Gewalt gegen Millionen gedeckt hat, kann 2026 nicht glaubwürdig über Gewalt gegen eine Einzelne sprechen — so real diese Gewalt auch sein mag.
Die eigentliche Frage #
Der Fall Fernandes/Ulmen hat zwei Ebenen die man auseinanderhalten muss:
Ebene 1: Sind die Vorwürfe real? Alles deutet darauf hin — ja. Spanische Ermittlungen laufen, Spiegel hat monatelang recherchiert, Fernandes geht das größtmögliche Risiko ein indem sie sich öffentlich macht.
Ebene 2: Wird der Fall politisch instrumentalisiert? Ebenfalls ja. Neue Gesetze innerhalb von 24 Stunden fordern, eine Demo in 72 Stunden organisieren, Campact mit fertigem Artikel — das ist kein Zufall. Das ist Advocacy.
Die Antwort auf Ebene 2 entkräftet nicht Ebene 1. Dass eine Geschichte politisch genutzt wird, macht sie nicht unwahr. Und dass eine Geschichte wahr ist, macht ihre politische Instrumentalisierung nicht automatisch sauber.
Die beiden Ebenen auseinanderzuhalten ist die eigentliche Herausforderung — für alle Beteiligten.
Quellen #
[1] Spiegel (19.03.2026): “Du hast mich virtuell vergewaltigt” — Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-Mann Ulmen. spiegel.de
[2] kress.de (20.03.2026): Schertz geht gegen Spiegel vor — presserechtliches Informationsschreiben. kress.de
[3] Campact (21.03.2026): Deepfakes als gesellschaftliches Problem. campact.de
[4] Stefan Homburg, X/Twitter, 21.03.2026. Post zum Fall Fernandes/Ulmen.
[5] Berliner Zeitung (17.10.2022): Long-Covid-Kampagne mit Stokowski ist gescheitert. berliner-zeitung.de
[6] tagesschau.de (21.03.2026): Fernandes in den tagesthemen. tagesschau.de
[7] t-online.de (21.03.2026): Fernandes/Ulmen — Schertz’ Doppelrolle. t-online.de
[8] ZDF (Dez 2024): Die Spur: Deepfake-Pornos — Missbrauch im Netz. zdf.de
[9] Hayali, D. (21.03.2026): Video-Statement zum Fall Fernandes/Ulmen. Social Media / ZDF.
[10] Hayali, D.: X/Twitter-Profil @dabordelansen — „These posts are protected." Bio: „this account is not related to zdf." Stand: 21.03.2026.
[11] Fernandes, C. & Ballon, J. (2026): Interview über Deepfake-Pornografie und Identifikationspflicht. HateAid / ZDF. Homburg-Repost via X, 21.03.2026.
[12] Wikipedia: Who wants to fuck my girlfriend? — Satirische Reality-Spielshow, Tele 5, 2013. de.wikipedia.org
[13] Spiegel (12.02.2013): Christian Ulmens neue TV-Show “Who wants to fuck my Girlfriend?” spiegel.de
[14] Focus (21.03.2026): Ulmen moderierte Show “Who wants to fuck my girlfriend?” focus.de
[15] Ballon, J. (2026): Interview zur Zusammenarbeit mit Fernandes. “Ich habe es ja schon vor einigen Monaten erfahren.” Via Homburg/X, 21.03.2026.
Die Vorwürfe verdienen eine Untersuchung. Die Kampagne verdient eine Analyse. Die beiden Ebenen auseinanderzuhalten ist die eigentliche Herausforderung — für alle Beteiligten.