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Volksempfänger in Vielfalt die keine ist

Medienkritik - Dieser Artikel ist Teil einer Serie.
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1933 stellte die Reichsregierung den Volksempfänger VE 301 vor. Kleines Gerät, günstiger Preis, Massenproduktion. Zweck: Ein Signal in jeden Haushalt. Kein anderes Gerät, keine andere Frequenz, keine andere Meinung.

2026 haben wir Hunderte Sender. Streaming, Podcasts, Social Media, ÖRR, Privatfernsehen. Technisch war noch nie so viel möglich.

Und trotzdem: Ein Signal.

Wer das Privatfernsehen besitzt
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Deutsches Privatfernsehen ist ein Duopol.

Bertelsmann SE & Co. KGaA (Gütersloh, Mohn-Familie) → RTL Group → RTL, VOX, n-tv, Nitro, Super RTL. Über acht Beteiligungsstufen — aber am Ende einer Familie.

ProSiebenSat.1 Media SE → Sat.1, ProSieben, Kabel Eins, sixx, SAT.1 Gold, ProSieben MAXX. Zweitgrößte TV-Gruppe in Deutschland.

Das war’s. Zwei Konzerne. Alles andere sind Spartenkanäle, Ableger, Variationen desselben Themas.

Wer RTL schaut und dann zu Sat.1 wechselt, wechselt nicht den Standpunkt. Er wechselt die Verpackung.

Der Öffentlich-Rechtliche: Staatsnah, nicht staatsfrei
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Das Gegenmodell soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein. Unabhängig, beitragfinanziert, dem Gemeinwohl verpflichtet.

In der Theorie.

In der Praxis: ARD und ZDF werden von Rundfunk- und Fernsehräten kontrolliert, die von Parteien besetzt werden. Der ZDF-Fernsehrat besteht aus Vertretern von Gewerkschaften, Kirchen, Verbänden — und Parteien. Wer Intendant wird, entscheidet, wer die Mehrheit im Rat hat.

Das Ergebnis: Nicht unabhängige Journalisten kontrollieren den Sender. Sondern ein Gremium, dessen Mehrheitsverhältnisse links-liberal geprägt sind — und das entsprechend entscheidet, wer welche Karriere macht.

Das ist keine Verschwörung. Das ist Struktur.

Wie das beim ZDF konkret aussieht, haben wir dokumentiert.

Arte: Die Ausnahme die die Regel bestätigt
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Es gab mal einen Sender der anders war.

Arte startete 1992 als deutsch-französisches Kulturprojekt. Ambitionierte Dokumentationen, europäischer Blick, kein Quotendruck, keine Werbung. Wer nachts Arte schaute, sah Dinge die anderswo nicht liefen.

Das ist lange her.

Heute ist Arte ein ZDF/ARD-Kind — finanziert aus dem Rundfunkbeitrag, eingebettet in die gleichen Strukturen. Das Programm ist braver geworden. Die wirklich unbequemen Dokumentationen, die France 2 oder ARTE France manchmal noch produziert, verschwinden auf dem deutschen Sendeplatz oder landen in der Nacht.

Arte war mal cool. Das sagt schon viel.

Das Narrativ-Kartell
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Man muss keine Absprache annehmen. Keine geheimen Treffen, keine koordinierten Anweisungen.

Es reicht die Systemlogik.

Journalisten in Deutschland durchlaufen die gleichen Volontariate — bei den gleichen Häusern. Sie bewerben sich beim gleichen Arbeitgeber-Oligopol. Sie werden auf den gleichen Konferenzen ausgezeichnet (Grimme-Preis, Henri-Nannen-Preis — vergeben von denselben Kreisen). Sie lesen dieselben Medien, haben dieselben sozialen Netzwerke.

Wer in diesem System aufsteigt, hat gelernt was sagbar ist. Nicht durch Zensur. Durch Selektion.

Das Ergebnis: RTL macht Schlagzeilen, ARD macht Schlagzeilen — andere Verpackung, gleicher Korridor. Wer außerhalb des Korridors denkt, landet nicht auf den Bildschirmen. Er landet auf Telegram.

Und dann wundert man sich, warum die Leute Telegram nutzen.

Der Volksempfänger 2.0
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Damals: Ein Gerät, ein Signal.

Heute: Viele Geräte, viele Sender, viele Logos — ein Korridor.

Der Unterschied ist kosmetisch. Wer RTL, ARD, ZDF, ProSieben und n-tv nebeneinander schaltet und die Hauptnachrichten vergleicht, findet dieselben Prioritäten, dieselben Framings, dieselbe Auswahl dessen was als “wichtig” gilt.

Medienvielfalt in Deutschland bedeutet: Du kannst wählen wie du deinen Volksempfänger nennst.


Wer echte Vielfalt will, muss dezentral denken. Das gilt für Kommunikation — und für Infrastruktur.


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