Zum Hauptinhalt springen
  1. Blog/

Die Leute wissen nicht mehr, wofür Sie stehen, Frau Bas. — Das hier.

Satire

Die Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Bärbel Bas, bei Sandra Maischberger in dieser Woche:

„Die Leute wissen nicht mehr, wofür wir stehen."

Wir helfen gern, Frau Bas. Hier ist die Liste.

Wofür Sie stehen — Stand 22. April 2026
#

1. Der dritte Anlauf zur anlasslosen Vorratsdatenspeicherung von IP-Adressen. Federführung: Ihre Justizministerin Stefanie Hubig (SPD). Ins Kabinett eingebracht am 22. April 2026 — nach zwei Niederlagen vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof. Zugriffsberechtigt nicht nur Strafverfolgungsbehörden, sondern erweitert auf Verfassungsschutz, Zoll, Steuerbehörden. Drei Monate Speicherdauer für jede deutsche IP-Adresse. Ihre Partei. Ihre Ministerin. Ihr Gesetz.

Dafür stehen Sie.

2. BND-Massen-Inhaltsanalyse internationaler Telekommunikation und heimliche Wohnungseinbrüche zum Aufspielen von Staatstrojanern. Referentenentwurf 12. Januar 2026. Sechs Monate Speicherung. DE-CIX-Ausweitung. Die SPD ist in dieser Bundesregierung. Die SPD trägt das mit.

Dafür stehen Sie.

3. Offensive „Active Cyber Defense"-Befugnisse für BKA, BSI, Bundespolizei — einschließlich Abschalten, Umleiten, Löschen fremder Systeme, DNS-Umleitungsanordnung an Registrare. BMI-Entwurf 25. Februar 2026. SPD-mitgetragen.

Dafür stehen Sie.

4. Nationale Chatkontrolle. Nach dem Scheitern der EU-Chatkontrolle im März 2026 hat Ihr Koalitionspartner Friedrich Merz (CDU) die nationale Umsetzung angekündigt. Die SPD hat kein öffentlich hörbares Veto eingelegt.

Dafür stehen Sie.

5. Die erste formelle Militärstrategie der Bundesrepublik seit Gründung. „Strategie zur Landes- und Bündnisverteidigung", vorgelegt am 22. April 2026 von Ihrem Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Bundeswehr-Aufwuchs auf 460.000 Personen, Russland als „Hauptbedrohung".

Dafür stehen Sie.

6. Das 20. Russland-Sanktionspaket plus 90-Milliarden-Euro-Ukraine-Kredit, durchgewunken am 22. April 2026 im EU-Rat mit deutscher Zustimmung.

Dafür stehen Sie auch.

Was Sie nicht mehr sind
#

Sie sind nicht mehr die Friedens-Partei. Sie sind die Aufwuchs-Partei.

Sie sind nicht mehr die Bürgerrechts-Partei. Sie sind die Vorratsdatenspeicherungs-Partei — im dritten Anlauf.

Sie sind nicht mehr die Sozial-Partei. Sie haben versprochen, den Mindestlohn auf 19,20 € zu heben. Sie liefern 15 €.

Sie sind nicht mehr die Anti-Überwachungs-Partei. Sie sind die Partei der heimlichen Wohnungseinbrüche des BND.

Sie sind nicht mehr die Willy-Brandt-Partei. Helmut Schmidt würde Sie heute Morgen bei einer Tasse Earl Grey durch die Berliner Zeitung scrollen und sagen: „Das ist nicht mehr meine Partei."

Und Helmut Schmidt war bekanntlich kein Taubenzüchter.

Ein Vorschlag, Frau Bas
#

Lassen Sie die nächste Maischberger-Runde aus. Schreiben Sie stattdessen einen Zettel:

„Wir stehen für den dritten Versuch der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung, für sechs Monate BND-Massenüberwachung, für heimliche Wohnungseinbrüche zum Aufspielen von Staatstrojanern, für offensive Cyber-Befugnisse des Innenministeriums, für eine 460.000-Mann-Bundeswehr mit Russland als Hauptbedrohung und für eine nationale Chatkontrolle nach EU-Scheitern."

Hängen Sie den Zettel an die Fassade des Willy-Brandt-Hauses.

Die Leute wissen dann Bescheid.

Und wenn Sie sich wundern, warum sie trotzdem nicht mehr kommen, dann nicht, weil sie nicht wüssten, wofür Sie stehen. Sondern weil sie es wissen.

Siehe auch
#


Anmerkung: Dieser Text ist Satire im Sinne des Pressekodex. Die Zitate sind öffentlich dokumentiert, die Gesetzgebungsdaten sind primärquellen-belegt, die politische Einordnung ist ausdrücklich die des Autors. Frau Bas ist für Verfasser jederzeit über die SPD-Parteizentrale erreichbar — sollte sie die Liste fortsetzen wollen, stellen wir Sendezeit nicht zur Verfügung.

Verwandte Artikel

22. April 2026: Eine Schlagzeile, drei Gesetze. Was im Klöckner-Hack-Paket wirklich kam

Was am 22. April 2026 wirklich passierte # Am Mittwoch, 22. April 2026, lief in Deutschland und Brüssel parallel eine ungewöhnlich dichte Reihe sicherheits- und überwachungspolitischer Ereignisse durch:

Auch Prien und Hubertz: Der Datenschutz-Doppelstandard wird breiter

Drei Tage nach der Spiegel-Exklusivmeldung zur Bundestagspräsidentin sind zwei weitere Namen öffentlich. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und Bauministerin Verena Hubertz (SPD) gelten dem Spiegel-Bericht vom 24. April 2026 nach als ebenfalls von der Signal-Phishing-Kampagne Betroffene.1 Das verschiebt die Datenlage gegenüber unserem Beitrag vom 24. April morgens.2 Drei zentrale Punkte werden jetzt belastbarer, ein vierter dünner — und der Doppelstandard, der schon im 22.-April-Paket sichtbar war, wird heute eindeutig.

Das Fernsehgericht tagt: Miosga, Hubig, HateAid — und ein Gesetzentwurf der schon fertig lag

Am Sonntag, 29. März 2026, 21:45 Uhr: Caren Miosga, ARD. Titel der Sendung: “Digitale Gewalt — wie können Frauen besser geschützt werden?” Auf dem Sofa: Collien Fernandes. Daneben: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD). Kein Anwalt der Gegenseite. Kein Sachverständiger mit abweichender Meinung. Das Ermittlungsverfahren läuft seit Tagen.

#WirVerlassenX — Drei Parteien, ein Text, eine Uhrzeit

··1041 Wörter·5 min
Am 4. Mai 2026, 08:00 Uhr, posten drei Bundestagsparteien nahezu zeitgleich auf X. Der Text ist bis auf ein einziges Wort identisch: Grüne im Bundestag (@GrueneB…): „X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert. X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen nutzen wir diesen Account nicht mehr."

Der vergessene UN-Befund: Was Spiegel 2022 publizierte und die Enquete 2025 nicht in den Scope nahm

Vier Stationen, ein Datenpunkt, der zwischen ihnen ohne Anker bleibt. 26. August 2021 — Der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, schickt eine offizielle Communication mit dem Aktenzeichen AL DEU 6/2021 an die Bundesregierung. Anlass: zahlreiche Berichte und Videoaufnahmen unverhältnismäßiger Polizeigewalt gegen Demonstrierende auf Anti-Corona-Protesten in Berlin, insbesondere am 1. August 2021.1