Zum Hauptinhalt springen
  1. Blog/

SPARS 2017: Wie ein Coronavirus-Kommunikations-Drehbuch zwei Jahre vor COVID die Counter-Misinformation-Architektur entwarf

Pandemiepolitik - Dieser Artikel ist Teil einer Serie.
Teil : Dieser Artikel

Im Oktober 2017 — zwei Jahre und drei Monate vor dem ersten dokumentierten COVID-Fall in Wuhan — publizierte das Johns Hopkins Center for Health Security ein 89-seitiges Dokument: „The SPARS Pandemic, 2025–2028: A Futuristic Scenario for Public Health Risk Communicators." Es war kein Tabletop, kein NSC-Drehbuch wie Dark Winter, kein transatlantisches Politiker-Format wie Atlantic Storm. Es war Übungsmaterial für Pressestellen, PR-Profis, Risiko-Kommunikatoren und Behördensprecher — ein vorgefertigtes Szenario, das gelesen, nicht gespielt wird.

Das fiktive Substrat: ein neuartiges Coronavirus, SPARS, taucht 2025 in einer US-Großstadt auf, breitet sich über drei Jahre auf alle US-Bundesstaaten und mehr als 40 Länder aus. Eine bestehende medizinische Gegenmaßnahme („existing MCM") wird zur Behandlung eingesetzt; eine neue Vakzine ist in Entwicklung. Der Public Readiness and Emergency Preparedness Act (PREP Act, US 2005) wird aktiviert, um Hersteller von Vakzin-Haftung freizustellen. Das ist die Backstory, in die das Drehbuch einsteigt.

Was das Drehbuch liefert, ist die eigentliche Information: fertige fiktive Tweets von skeptischen Bürger:innen, fiktive News-Stories über Vakzin-Nebenwirkungen, fiktive Behörden-Pressemitteilungen, fiktive Talkshow-Auszüge, fiktive Counter-Misinformation-Strategien. Wer SPARS gelesen hat, hat eine Bibliothek von Reaktions-Bausteinen für jede Konstellation, die in einer realen Coronavirus-Pandemie kommunikativ auftauchen könnte: Vakzin-Skepsis, Hersteller-Haftung, Nebenwirkungs-Cluster, ethnisch-kulturelle Misstrauens-Lagen, Influencer-Backlash, „natürliche Immunität"-Diskurs, Kinder-Impf-Empfehlungen.

Drei Jahre später kam COVID. Und die Bibliothek, die SPARS für ein fiktives Coronavirus entworfen hatte, war einsatzbereit.

Wer es schrieb
#

Die Verfasser:innen-Liste des SPARS-Dokuments:

  • Monica Schoch-Spana (Senior Associate, Johns Hopkins Center for Health Security) — Lead Author, Anthropologin mit Schwerpunkt Pandemic-Trust-Forschung
  • Emily K. Brunson (Associate Professor, Texas State University)
  • Tara Kirk Sell (Senior Associate, JHU CHS)
  • Gigi Kwik Gronvall (Senior Associate, JHU CHS) — Biosicherheits-Forschung, später involviert in Lab-Leak-Diskussions-Sphären
  • Matthew P. Shearer (Senior Analyst, JHU CHS)
  • Sanjana Ravi (Senior Analyst, JHU CHS)
  • Hannah Chandler (MPH Candidate, Columbia University)

Sechs der sieben Verfasser:innen arbeiteten am Johns Hopkins Center for Health Security. Direktor des Center for Health Security zur Zeit der Veröffentlichung: Tom Inglesby — derselbe Inglesby, der 2001 bei Dark Winter Co-Designer war, der 2005 Atlantic Storm Co-Designer war, und der zwei Jahre nach SPARS-Veröffentlichung im Oktober 2019 die JHU-Seite von Event 201 leiten würde. Achtzehn Jahre, drei Tabletops, ein Communications-Drehbuch — derselbe Direktor.

Was SPARS methodisch nicht war
#

In Conspiracy-Klickbait-Listen taucht SPARS regelmäßig als „Beweis" für eine geplante Pandemie auf — neben Dark Winter, Atlantic Storm, Clade X und Event 201. Diese Klassifizierung ist methodisch falsch. SPARS war kein Tabletop im Sinne der vier anderen Übungen. Es gab keine Spieler-Liste, keine NSC-Sitzung, keine Heads of Government, kein Live-Briefing-Format. Es war ein Lese-Material: ein 89-seitiges PDF, das man durcharbeitet, an dem man Trainings-Übungen für PR-Teams ableitet, das man als „self-guided exercise" nutzt.

Diese Differenzierung ist wichtig, weil sie den Mechanismus präzisiert. Tabletops trainieren Akteure — Beamte, Politiker, Journalisten — auf Entscheidungs-Sequenzen unter Zeitdruck. Communications-Scenarios wie SPARS trainieren Handwerk — Wortbausteine, Sprechregelungen, Reaktions-Templates. Die einen produzieren eine Karriere-Pipeline (Dark Winter → DHS, FDA, In-Q-Tel); die anderen produzieren eine Sprachregelungs-Bibliothek.

Was SPARS strukturell interessant macht, ist nicht die Falschklassifizierung als „Tabletop", sondern dass die Sprachregelungs-Bibliothek drei Jahre vor COVID präzise jene Kommunikations-Architektur antizipiert, die ab März 2020 real ausgerollt wurde.

Was im Drehbuch steht — und was 2020 daraus wurde
#

Das SPARS-Dokument ist gegliedert in drei Phasen — frühe Reaktion, Massen-Vakzin-Kampagne, Post-Vakzin-Schäden. Jede Phase liefert Übungs-Aufgaben für PR-Teams. Sechs der zentralen Übungs-Achsen:

1. Hersteller-Haftungsschutz via PREP Act SPARS-Drehbuch: Der HHS Secretary aktiviert den PREP Act, um Hersteller des SPARS-Vakzins von Schadensersatz-Haftung freizustellen. PR-Übung: Wie kommuniziert man die Haftungsfreistellung gegenüber Bevölkerung, ohne Vertrauensverlust auszulösen? — Realität 2020: HHS Secretary Alex Azar aktivierte am 17. März 2020 den PREP Act (PREP Act Declaration für „Medical Countermeasures against COVID-19"), Hersteller-Haftung wurde aufgehoben. Identisches Schema, identischer Rechtsweg, drei Jahre vor der realen Anwendung in einem Drehbuch ausgeschrieben.

2. Counter-Misinformation als operatives Feld SPARS-Drehbuch: Eine Influencerin verbreitet Vakzin-Skepsis in sozialen Medien; Behörden müssen reagieren ohne Streisand-Effekt zu erzeugen. Die fiktiven Reaktions-Templates des Drehbuchs schlagen vor: keine direkte Konfrontation, sondern „trusted messengers" mobilisieren, „pre-bunking" der erwarteten Argumente, Plattform-Kooperation für Ranking-Anpassungen. — Realität 2020-2022: Trusted News Initiative (BBC, Reuters, Microsoft, Facebook, Google, Twitter, AP, AFP, Washington Post, etc.), CDC-Coordination mit Tech-Plattformen, „Stanford Internet Observatory" / Election Integrity Partnership / Virality Project, EU Digital Services Act, EU-Code-of-Practice on Disinformation. Die SPARS-Sprachregelung — „pre-bunk", „trusted messenger", „inauthentic coordination" — wurde 2020-2022 zum operativen Vokabular der gesamten Plattform-Pandemie-Politik.

3. Skepsis ethnischer/kultureller Minderheiten SPARS-Drehbuch: Eine fiktive afroamerikanische Community-Aktivistin äußert Skepsis gegenüber Vakzinen aufgrund historischer Erfahrung (Tuskegee). PR-Übung: kulturell sensible Kommunikation ohne paternalistischen Touch. — Realität 2020-2021: Equity-Outreach-Programme der CDC, Race-spezifische Vakzin-Kampagnen, Spike-Lee-Spots, Demokratische Outreach-Strukturen.

4. Nebenwirkungs-Cluster und „rumor control" SPARS-Drehbuch: Ein Cluster ungewöhnlicher Nebenwirkungen taucht auf, bevor Behörden die Daten ausreichend interpretieren können. Übung: wie Bekanntgabe verzögern ohne Vertrauensverlust? — Realität 2021: AstraZeneca/CVST-Cluster, Myokarditis-Cluster bei jungen Männern, „Sicherheits-Pause" durch FDA, kommunikative Eindämmungs-Strategien.

5. „Natürliche Immunität" als Diskurs-Risiko SPARS-Drehbuch: Influencer:innen, die selbst infiziert waren und Vakzin-Empfehlungen für sich ablehnen, erzeugen ein Klassen-Schema „naturally immune" vs. „vaccinated". PR-Übung: wie wird natürliche Immunität nicht gegen Vakzin-Empfehlungen ausgespielt? — Realität 2021-2022: CDC-Empfehlungen blieben lange bei „auch nach Infektion impfen", trotz wachsender Evidenz für post-Infektions-Immunität. Diskurs-Klimas zu „natürlicher Immunität" wurde aktiv eingedämmt.

6. „Trusted source" als operative Kategorie SPARS-Drehbuch verlangt von PR-Teams, frühzeitig „trusted sources" zu identifizieren und zu mobilisieren — Personen mit hoher Glaubwürdigkeit innerhalb der jeweiligen Zielgruppe. — Realität 2020-2022: die Architektur von „Trusted News", „Trusted Flaggers" (DSA), „Trusted Voices" der CDC, der WHO-„Vaccine Champions"-Programme.

Sechs Übungs-Achsen aus dem Oktober-2017-Drehbuch — sechs operative Strukturen der COVID-Kommunikations-Architektur 2020-2022. Das ist nicht zufällige Übereinstimmung; das ist Werkzeug-Training mit nachfolgender Anwendung. Wer 2017 SPARS durchgearbeitet hatte, hatte 2020 die Templates fertig.

Die ständige Rückfrage: warum nicht „abgekartetes Spiel"?
#

Die Klickbait-Lesart ist: SPARS habe COVID „vorhergesagt", also sei COVID inszeniert. Diese Lesart ist falsch, weil sie den Mechanismus übersieht. SPARS hat COVID nicht vorhergesagt; es hat das Coronavirus als Erreger-Klasse für ein PR-Trainings-Drehbuch gewählt, weil Coronaviren zu diesem Zeitpunkt im Public-Health-Diskurs als ernstzunehmende Pandemie-Kandidaten galten (SARS 2003, MERS 2012). Die Erreger-Wahl war professionelle Lagebeurteilung.

Was SPARS gemacht hat, ist etwas Anderes und Substantielleres: es hat die kommunikative Reaktions-Architektur auf einen Coronavirus-Ausbruch im Detail vorgearbeitet, mit Wortbausteinen, Eskalations-Stufen, Plattform-Kooperations-Modellen, „trusted source"-Mobilisierung, „pre-bunking"-Templates. Die PR-Branche, die Behörden-Pressestellen, die Tech-Plattformen — alle, die SPARS oder vergleichbare Materialien gelesen hatten — waren auf eine Coronavirus-Krise kommunikativ eingespielt, bevor die Krise eintrat.

Das ist die Funktions-Inversion, die den SPARS-Mechanismus von einem Tabletop unterscheidet. Ein Tabletop trainiert Akteure; SPARS Bibliothek. Eine Bibliothek wird nicht „aktiviert", sie wird abgerufen. Wer 2020 PR-Verantwortlicher in der CDC, im RKI, im EU-Kommissions-Kommunikations-Team, in der Trusted News Initiative oder in einer großen Tech-Plattform-Trust-and-Safety-Abteilung war, hatte SPARS-ähnliche Materialien in seiner Schublade. Er musste sie nur öffnen.

Wer in welchem Kontext SPARS las
#

Das Center for Health Security verteilte SPARS aktiv. Die NACCHO (National Association of County and City Health Officials) verlinkte das Material in ihren Trainings-Ressourcen. Public-Health-Schools nutzten es als Lehrmittel. Das Übungs-Format „self-guided exercise" sieht vor, dass Behörden-Pressestellen es im Team durcharbeiten, fiktive Antworten auf die fiktiven Tweets formulieren, und so eine geübte Reaktions-Bibliothek aufbauen.

Wer das tat, war strukturell das Personal, das später die reale COVID-Kommunikation verantwortete. Die SPARS-Übung war Onboarding-Material für die nächste Generation von Risk-Communications-Profis.

Ein zweiter Verteilungspfad: die WHO und ihre Risk-Communications-Programme. Schoch-Spana, die Lead-Autorin von SPARS, ist regelmäßige Beraterin der WHO Crisis Communications Frameworks. Die SPARS-Methodik fließt direkt in die internationalen Risk-Communications-Standards der WHO ein. Wer 2020-2022 als nationale WHO-Verbindung in Pandemie-PR arbeitete, arbeitete in einem Framework, dessen Bauplan SPARS mitgeprägt hatte.

Die Brücke zur Reihe
#

Der SPARS-Mechanismus schließt die Reihe der drei vorigen Strukturanalysen ab.

Übung Jahr Format Trainiert Politik-Folge
Dark Winter 2001 Tabletop, Beamte Karriere-Pipeline (DHS, FDA, BARDA) Project BioShield 2003
Atlantic Storm 2005 Tabletop, Heads of Government Mandats-Architektur (WHO IHR) IHR 2005 (Mai 2005)
SPARS 2017 Communications-Scenario, PR-Profis Sprachregelungs-Bibliothek Counter-Misinformation-Architektur 2020-2022
Event 201 2019 Tabletop, Pharma + Politik + Medien letzte Vor-Synchronisation COVID-Reaktions-Architektur 2020

In dieser Reihe ist SPARS die Übung, die explizit die kommunikative Verteidigung der Politik-Architektur trainiert, die Dark Winter und Atlantic Storm als institutionelles Format etabliert hatten. Die exekutive Klasse (DW), die politische Klasse (AS), die kommunikative Klasse (SPARS), und am Schluss die Pharma-Industrie-Synchronisation (Event 201) — vier Übungs-Formate, vier verschiedene Klassen-Trainings, eine Linie. Inglesby leitete das JHU Center, das drei dieser vier Formate co-organisierte.

Schluss
#

SPARS war kein abgekartetes Spiel und kein Vorhersage-Wunder. SPARS war Übungsmaterial — und die Frage, die strukturanalytisch zählt, ist nicht ob das Material existierte (es ist öffentlich, es ist seit 2017 dokumentiert, es ist auf der JHU-Website abrufbar), sondern wer es las und wo das Gelesene in operative Architekturen einfloss.

Die Antwort lässt sich an konkreten Strukturen ablesen: die Trusted News Initiative wurde im März 2020 gegründet, Wochen vor der WHO-Pandemie-Erklärung. Die EU-Code-of-Practice-on-Disinformation wurde im Oktober 2018 publiziert, ein Jahr nach SPARS. Die CDC-Coordination mit Plattformen wurde ab 2020 systematisch ausgebaut. Die Stanford Internet Observatory / Virality Project lieferte „Counter-Misinformation"-Reports, die strukturell exakt dem SPARS-Drehbuch folgten. Die EU-DSA-Trusted-Flagger-Architektur (in Kraft 2024) übernimmt das SPARS-„trusted messenger"-Konzept als Rechtsrahmen.

Das ist keine Verschwörung. Das ist eine Sprachregelungs-Bibliothek, die zwischen 2017 und 2024 in institutionelle Strukturen übersetzt wurde, von einer Forschungs-Einrichtung, die seit 2001 als Designer der Tabletop-Linie zentral war. Wer das Drehbuch las, wusste 2020, was zu tun war — nicht weil eine Pandemie geplant gewesen wäre, sondern weil die kommunikative Architektur einer Pandemie geübt war, bevor die Pandemie kam. Die Reaktion war eingespielt; die Sprachregelungen waren druckreif; die Plattform-Kooperationen waren konzipiert. Wer 2020 nicht vorbereitet in eine globale Risk-Communications-Architektur stieg, war nicht da, wo SPARS und seine Schwestermaterialien gelesen worden waren.

Das ist der Mechanismus. Er ist nicht geheim. Er ist im Vorwort des SPARS-Dokuments selbst beschrieben: „prospective scenarios allow readers the opportunity to rehearse responses while also weighing the implications of their actions." Geübt wurde nicht, ob die Architektur kommt, sondern wie sie aussehen würde, wenn sie käme. 2020 kam sie. Sie sah aus, wie sie geübt worden war.


Quellen
#

Querverweise innerhalb der Reihe:

Pandemiepolitik - Dieser Artikel ist Teil einer Serie.
Teil : Dieser Artikel

Verwandte Artikel

Event 201, Oktober 2019: Die finale Synchronisation — Pharma, China, Edelman, NBC, Henry Schein und die CIA an einem Tisch

Am 18. Oktober 2019, in einem Konferenz-Saal des Pierre Hotels an der Fifth Avenue in New York, versammelten sich fünfzehn Personen an einem ovalen Tisch. Die Sitzkarte wirkt aus der Distanz wie eine Liste der Welt-Industrie, in der Pandemie-Reaktion zentral werden würde. Vier Stunden später hatte der fiktive Krisenstab einen Coronavirus-Ausbruch durchgespielt, der über achtzehn Monate 65 Millionen Tote produzierte und Lieferketten, Reise-Industrie, Vakzin-Beschaffung und Krisen-Kommunikation des gesamten Globus betraf.

Clade X, Mai 2018: Der Designer wird Spieler — und die Übung wird live gestreamt

Am 15. Mai 2018, im Konferenzsaal des Mandarin Oriental Hotels in Washington, versammelten sich zehn ehemalige oder aktive US-Spitzenpolitiker:innen und führende Public-Health-Beamt:innen. 150 geladene Gäste schauten zu. Eine Live-Übertragung lief gleichzeitig auf Facebook. Die Übung hieß Clade X, dauerte einen Tag und endete mit einem fiktiven Endergebnis von 900 Millionen Toten weltweit über 18 Monate. Veranstalter: Johns Hopkins Center for Health Security.

Dark Winter, Juni 2001: Wer die Pocken probte, formte den Apparat danach

Vom 22. bis 23. Juni 2001 — drei Monate vor 9/11, fünf Monate vor den Anthrax-Briefen — saßen in einem Briefing-Raum der Andrews Air Force Base bei Washington dreizehn ehemalige Spitzenbeamte der US-Regierung an einem ovalen Tisch und spielten dreizehn Tage Pockenausbruch in dreizehn Stunden. Die Übung hieß Dark Winter.

Atlantic Storm, Januar 2005: Wie aus einer Pocken-Übung vier Monate später WHO-Notfallrecht wurde

Am 14. Januar 2005 versammelten sich in einem Konferenz-Saal in Washington zehn ehemalige oder amtierende Regierungschefs aus Nordamerika und Europa, dazu eine ehemalige WHO-Generaldirektorin, plus eine Reihe Außenpolitik-Berater. Sie spielten einen koordinierten Pocken-Anschlag auf sechs Großstädte gleichzeitig: Istanbul, Rotterdam, Warschau, Frankfurt, New York City, Los Angeles. Innerhalb von viereinhalb Stunden Übungs-Zeit stiegen die gemeldeten Fälle von 51 auf 3.320. Die Übung hieß Atlantic Storm.

Der Fall Stephan Kohn: Zwei BMI-Papiere, eine Aufarbeitungs-Probe, eine Enquete, die ihre eigene Antwort gibt

Im Frühjahr 2020 produzierte das deutsche Bundesinnenministerium zwei Dokumente, die zusammen die deutsche Anwendung der Tabletop-Sprachregelungs-Architektur dokumentieren. Sechs Jahre später treffen die beiden Papiere wieder aufeinander — als Sachverständiger und Befragter im großen Anhörungssaal des Deutschen Bundestags, im Rahmen der Bundes-Enquete-Kommission „Aufarbeitung der COVID-19-Pandemie". Was dort passiert, ist keine Aufarbeitung, sondern eine zweite Anwendung des gleichen Mechanismus.