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Der Reporter, die Preise, das Geld: Was hinter der Correctiv-Recherche steht

Medienkritik - Dieser Artikel ist Teil einer Serie.
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Teil 1 hat den juristischen Stand beschrieben: Drei Sätze, zwei Gerichte, keine Rechtskraft. Was dieser Artikel nicht leisten konnte: die Struktur hinter der Recherche — die Person, die Auszeichnungen, die Geldströme. Die liegen nicht im Tenor des Berliner Urteils, aber sie erklären, warum die Recherche eine so große Wirkung entfaltet hat.

Hier die überprüfbaren Fakten.


Der Reporter: „Ich erfinde Geschichten"
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Jean Peters ist ein Pseudonym. Hinter dem Namen steht ein Aktionskünstler, Mitgründer (2013) des Peng!-Kollektivs in Berlin — einer selbst als „subversive Aktionskunst" positionierten Gruppe [1]. Beim Potsdamer Treffen am 25. November 2023 war Peters nicht Beobachter aus der Ferne, sondern der Undercover-Reporter vor Ort im Landhaus Adlon, bei Correctiv als „leitender Reporter" der Geheimplan-Recherche gelistet [2].

Auf seiner persönlichen Website jeanpeters.de stand bis Januar 2024 unter dem Menüpunkt „Taktische Medienarbeit" folgender Satz:

„Ich entwickele Aktionen und erfinde Geschichten, mit denen ich in das politische und ökonomische Geschehen interveniere. Besonders wichtig: mit der passenden Medienstrategie Aufmerksamkeit zu erzeugen, gesellschaftlichen Diskurs anzuregen und damit zur Veränderung beizutragen."

Zitat dokumentiert seit mindestens Juli 2020 [3][4][5]. Nach Veröffentlichung der Potsdam-Recherche wurde der Menüpunkt an einem Sonntag ohne Korrekturhinweis umbenannt — aus „Taktische Medienarbeit" wurde schlicht „Medienarbeit", der Abschnitt wurde in Richtung „investigativer Journalist bei Correctiv" umgeschrieben.

Der Satz stammt aus einer Selbstbeschreibung als Aktionskünstler, nicht aus einem journalistischen Kontext. Aber er ist derselbe Autor, der kurze Zeit später als Reporter eine Geschichte verantwortete, die als Tatsachenbericht rezipiert wurde und 2024 die größte Protestwelle der Nachkriegszeit in Deutschland auslöste. Die Parallel-Verwertung — eine Theaterversion der Recherche unter dem Label „Investigativtheater" mit Regisseur Calle Fuhr — begann noch 2024 [6].


Die Preise: Fünf — nicht dreißig
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Correctiv listet auf der eigenen Website sieben Preise 2024 insgesamt, davon fünf für die Geheimplan-Recherche [7]. Die „über 30"-Zahl, die in Talk-Shows und auf YouTube zirkuliert, lässt sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen — vermutlich summiert sie Nominierungen, Impact-Preise und Einzel-Nennungen.

PreisVerleiherJahrPreisgeldBegründung
Leuchtturm für besondere publizistische Leistungennetzwerk recherche e.V.2024nicht öffentlich beziffert„Selten hat eine einzelne Recherche einen solchen Impact"
Journalisten des JahresMedium Magazin2024kein PreisgeldTeam-Preis
Carlo-Schmid-PreisStiftung Carlo Schmid2024n/a„Stärkung demokratischer Werte"
Kasseler Demokratie-ImpulsStadt Kassel2024n/a„breite gesellschaftliche Debatte"
Deutsch-Französischer JournalistenpreisDFJP-Stiftung2024historisch 6.000 €„europäische Themen"

Quellen: [7][8][9][10].

Die Laudatio zum Leuchtturm hielt am 20. Juli 2024 bei der NR-Jahreskonferenz beim NDR Hamburg die Journalistin und Juristin Özge Inan — im Original-Video dokumentiert [11]. Inan sagte, ihr sei „das Blut in den Adern gefroren". Das Preisgeld des Leuchtturms wird vom netzwerk recherche öffentlich nicht beziffert [12].

Was in den Umlaufzahlen regelmäßig falsch steht: Correctiv war beim Grimme Online Award 2024 für die Geheimplan-Recherche nominiert, hat aber in der Kategorie nicht gewonnen [13]. Einen Nannen-Preis für Geheimplan gibt es nicht (der letzte Correctiv-Nannen liegt 2019 für „Vergewaltigt auf Europas Feldern") [14].

Forderungen nach Aberkennung: In den überprüften Quellen ist keine formale Rückgabe- oder Aberkennungsforderung gegenüber netzwerk recherche oder der Stadt Kassel dokumentiert. Die Kritik bleibt publizistisch (Übermedien, NZZ, Berliner Zeitung) [15].


Das Geld: 2,5 Millionen seit Gründung
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Die Primärquelle für Correctivs öffentliche Förderung ist die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage des AfD-MdB Leif-Erik Holm, zitiert im Nordkurier [16]. Die Regierung räumte dabei selbst „Unschärfen sowie Lücken" ein. Dokumentierte Posten (gerundet):

FördererZeitraumSumme
Bundeszentrale für politische Bildung (BMI-Ressort)kumuliert373.000 €
Staatskanzlei NRW2020–2021 / 2022–2023591.000 € + 507.000 €
Deutsche Stiftung für Engagement u. Ehrenamt (BMFSFJ)Jugendredaktion Greifswald + Salon5142.000 € + 98.000 €
BKM (Claudia Roth) — Projekt Lokaljournalismus qualifizieren, Demokratie stärken2022–2023199.000 €
BMBF-Verbundprojekt noFake (RUB + TU Dortmund)Gesamtvolumen 1,33 Mio. €163.000 € (Correctiv-Anteil 2024)
Demokratie leben! (BMFSFJ)202469.000 €
Summe Bund gesamt> 1,2 Mio. €
Summe seit Gründung 2014 (Bund + Länder)~2,5 Mio. €

Correctiv selbst gibt im Jahresbericht 2024 an, zu ca. 60 % durch private Spenden, 34 % durch Stiftungen und den Rest durch öffentliche Förderung finanziert zu sein — und betont, staatliche Förderung fließe „ausschließlich" in Medienbildung, nicht in Recherche [17][18]. Die Darstellung lässt sich weder falsifizieren noch verifizieren, weil Zahlungsströme zwischen Projektbudgets und Gemeinkosten-Allokation nicht öffentlich aufgeschlüsselt sind.

Friedrichs „200.000 Euro von BKM Roth" ist also faktisch korrekt (199.000 €, Projekttitel Lokaljournalismus qualifizieren), aber nur ein Baustein von elfen.


„Merz gibt NGOs 10 Millionen mehr" — die Zahl richtig gelesen
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Ein zweiter Claim aus der YouTube-Ecke: Die Merz-Regierung habe die NGO-Förderung für 2026 um 10 Millionen Euro aufgestockt. Das stimmt — aber der Kontext fehlt.

  • Der Gesamtetat des betreffenden Haushaltstitels steigt durch die Aufstockung auf rund 191 Millionen Euro [19][20].
  • Zuständig ist das BMFSFJ unter Karin Prien (CDU), nicht die SPD.
  • Der Koalitionsvertrag knüpft die Fortführung an „Wirksamkeitsprüfung" und „Restrukturierung" — also nicht automatisch an die bisherigen Empfänger.
  • Correctiv wird in den einschlägigen Quellen nicht namentlich als Aufstockungs-Empfänger benannt. Genannt wird die Amadeu-Antonio-Stiftung.

Wer daraus eine direkte Verbindung „Merz gibt Correctiv mehr Geld" zieht, unterschlägt, dass die Aufstockung in einem anderen Ressort läuft und die Zuteilung nicht beschlossen ist. Als Kritik an der Gesamtrichtung der NGO-Politik ist das zulässig. Als Tatsachenbehauptung „Correctiv bekommt mehr" ist es nicht gedeckt.


Das Verlierer-Quartett: NDR, ZDF, SWR, KG Berlin
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Die Urteile, die direkt gegen Correctiv ergingen, haben wir in Teil 1 behandelt. Was dort noch nicht drin war: die Nachlaufverfahren gegen Medien, die die Correctiv-Recherche übernommen hatten — und verloren.

  • NDR / Tagesschau: Das Hanseatische Oberlandesgericht untersagte der Tagesschau die Aussage einer „Ausweisung deutscher Staatsbürger" [21][22]. Vosgerau war Kläger.
  • ZDF: In einem separaten Verfahren unterlag das ZDF Vosgerau in seiner Interpretation der Correctiv-Recherche [23].
  • SWR: In den Quellen als weiterer Verlierer benannt, separates Aktenzeichen in den verfügbaren Berichten nicht ausgewiesen [23].
  • Kammergericht Berlin: Bestätigte einen kritischen Spendenaufruf Vosgeraus gegen Correctiv letztinstanzlich als zulässige Meinungsäußerung [24].

Das ist relevant, weil ein Medienhaus wie NDR oder ZDF, das eine Recherche übernimmt, bei Drittklagen selbst für jede Zuspitzung haftet. Dass öffentlich-rechtliche Sender die Correctiv-Version unverändert übernahmen und dafür in mehreren Verfahren rechtskräftig verlieren, ist eine publizistische Bilanz für sich.


Böhmermann/Schönbohm als Parallelfall
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Der zweite YouTube-Claim, der geprüft werden muss: Jan Böhmermann sei in einer ähnlichen Konstellation wie Correctiv vor Gericht unterlegen. Die Fakten:

  • LG München I, Urteil vom 19.12.2024, Az. 26 O 12612/23. Schönbohm obsiegte in vier von fünf Unterlassungsanträgen; die Zahlungsklage auf Geldentschädigung wurde abgewiesen [25].
  • Kernfeststellung: Satire brauche einen „wahren Tatsachenkern". Böhmermanns rhetorische Fragen zu angeblichen Kontakten Schönbohms zum russischen Geheimdienst über den Verein Cyber-Sicherheitsrat Deutschland e.V. wirkten nicht als offene Fragen, sondern als Behauptung — und seien unwahr.
  • OLG München, Berufung: Verhandlung 16.04.2026, Urteil angekündigt 19.05.2026. Der Vorsitzende Richter Günther Puhm bezeichnete die Recherche als „schlampige Recherche" und „schwere Verletzung des Persönlichkeitsrechts" und empfahl dem ZDF Berufungsrücknahme plus öffentliche Klarstellung [26][27].
  • Zeitstrahl: Ausstrahlung 07.10.2022, Schönbohm wurde Mitte Oktober 2022 von Innenministerin Faeser von der BSI-Leitung entbunden; die behördliche Prüfung ergab im Mai 2023, die Vorwürfe seien nicht erhärtet [28]. Schönbohm ist seit 2025 Präsident der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung.

Die Parallele zum Correctiv-Fall ist strukturell: Satire und investigativer Journalismus werden als journalistische Darstellungsformen behandelt, die dennoch einen Tatsachenkern benötigen. In beiden Fällen kommen Gerichte zu dem Ergebnis, dass dieser Kern in Teilen fehlt.


Fazit
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Was dieser Artikel nicht tut: den Schluss ziehen, dass Correctiv „eine Lüge" ist oder dass öffentliche Förderung entzogen gehört. Das sind politische Forderungen, keine faktischen Ableitungen.

Was dieser Artikel tut: nachweist, dass die Struktur hinter der Recherche spezifisch ist — ein Autor mit Aktionskunst-Hintergrund, der sich selbst als Geschichtenerfinder beschrieben hat, eine Finanzierung, die substantiell auch staatlich ist, ein Preis-Cluster, das sich binnen Monaten um eine einzige Recherche herum aufbaut, und ein Medien-Ökosystem, das die Recherche in Nachlaufverfahren gekostet hat.

Jeder einzelne dieser Bausteine ist für sich genommen erklärungsbedürftig. Zusammen ergeben sie kein einfaches Bild. Weder Kollaps noch Sieg — sondern eine Struktur, die man sich ansehen muss, statt sie abwehrend zu bestätigen oder triumphal zu zertrümmern.


Offene Recherchelücken (Transparenz)
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Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung offen:

  • Exakte Archive.org-Snapshot-URL für jeanpeters.de mit dem „Ich erfinde Geschichten"-Satz (aus Sekundärquellen dokumentiert, vor Veröffentlichung manuell verifizieren)
  • Bundestagsdrucksachen-Nummer der Kleinen Anfrage Leif-Erik Holm
  • Eingangsdatum der Correctiv-Berufung beim Kammergericht Berlin
  • Aktenzeichen des von-Storch-Urteils am LG Berlin II
  • Schriftliche Entscheidungsgründe des LG Berlin II (Az. 27 O 379/25) — Pressemitteilung 13/2026 vermerkt: liegen noch nicht vor

Weiterlesen
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Quellen
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[1] Wikipedia: Peng!-Kollektiv. de.wikipedia.org

[2] kress.de: Die Jogginghose spielte eine Schlüsselrolle — Correctiv-Reporter zu seinem Undercover-Einsatz. kress.de

[3] NIUS: „Ich erfinde Geschichten" — Correctiv-Aktivist Jean Peters löscht seine Spuren im Netz. nius.de

[4] Junge Freiheit: Correctiv-Geschichtenerfinder ändert heimlich Lebenslauf. jungefreiheit.de

[5] Reitschuster: Correctiv-Autor: „Ich entwickele Aktionen und erfinde Geschichten". reitschuster.de

[6] Nachtkritik: Investigativtheater — Calle Fuhr und Jean Peters im Interview. nachtkritik.de

[7] Correctiv: Auszeichnungen. correctiv.org

[8] netzwerk recherche: Leuchtturm 2024. netzwerkrecherche.org

[9] DJV Hessen: Correctiv Potsdam-Recherche — Preis der Stadt Kassel. djv-hessen.de

[10] media.ccc.de (38C3): Correctiv-Recherche Geheimplan gegen Deutschland — 1 Jahr danach. media.ccc.de

[11] Correctiv: Laudatio von Özge Inan zum Leuchtturm 2024. correctiv.org

[12] netzwerk recherche: Leuchtturm-Übersicht (Preisgeld nicht beziffert). netzwerkrecherche.org

[13] Grimme Online Award 2024: Nominierung Correctiv. grimme-online-award.de

[14] Wikipedia EN: Correctiv — Awards. en.wikipedia.org

[15] Übermedien: Der Correctiv-Bericht verdient nicht Preise, sondern Kritik. uebermedien.de

[16] Nordkurier: 2,5 Millionen Euro Steuergeld — so finanziert die Bundesregierung Correctiv. nordkurier.de

[17] Correctiv: Finanzen & Förderer. correctiv.org

[18] Statista: Correctiv — Erträge aus Zuwendungen 2024. statista.com

[19] Investment Week: Mehr Geld für NGOs — Regierung stockt Etat trotz Sparzwang auf. investmentweek.com

[20] NZZ: Merz muss den Schattenstaat in den Griff bekommen. nzz.ch

[21] LTO: Ulrich Vosgerau siegt vor OLG Hamburg (Tagesschau). lto.de

[22] Kanzlei Höcker: Wer auf Correctiv setzt, zahlt drauf — Gericht bestätigt Verbot gegen Tagesschau. hoecker.eu

[23] LTO: Ulrich Vosgerau — AfD, Correctiv, Potsdam, Rechtsextremismus. lto.de

[24] Kanzlei Höcker (Blog): KG Berlin bestätigt Vosgeraus kritischen Spendenaufruf letztinstanzlich. hoecker.eu

[25] LTO: LG München I 26 O 12612/23 — Schönbohm/Böhmermann. lto.de

[26] t-online: OLG München — Urteil Böhmermann fällt am 19. Mai. t-online.de

[27] Berliner Zeitung: ZDF verliert vor OLG München — Böhmermann/Schönbohm und die Grenzen der Satire. berliner-zeitung.de

[28] taz: Abgesetzter BSI-Chef ausgespäht. taz.de

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