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Drosten vor der Enquete: Verteidigung unter Polizeischutz

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Am 1. Dezember 2025 trat Christian Drosten als Sachverständiger vor die Enquete-Kommission “Aufarbeitung der COVID-19-Pandemie” des Deutschen Bundestages [1]. Der Auftritt fand unter Polizeischutz statt [2].

Drosten verteidigte die getroffenen Maßnahmen, räumte einzelne Fehler ein und ließ — laut Stellungnahme der AfD-Fraktion — zentrale Fragen unbeantwortet [3]. Es war einer der ersten Auftritte des Charité-Virologen vor einem parlamentarischen Untersuchungsgremium nach Ende der Pandemie-Phase und nach der vollständigen Veröffentlichung der RKI-Krisenstabsprotokolle.


Was Drosten sagte
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In seiner Eingangsstellungnahme [4] und der anschließenden Befragung wiederholte Drosten die Kernlinie, mit der er seit 2020 öffentlich auftritt:

  • Die Gefahr der Pandemie sei durch die “dynamische Übertragbarkeit” des Virus entstanden.
  • Ohne allgemeine Infektionskontrolle seien “unvorstellbar hohe” Todes- und Patientenzahlen zu erwarten gewesen.
  • Eine Konzentration der Maßnahmen primär auf Ältere sei nicht möglich gewesen, weil andere vulnerable Gruppen sich ohne allgemeine Eindämmung nicht hätten schützen können.

Auf Nachfragen zu konkreten Fehlern verwies Drosten darauf, er habe sich als “Pandemie-Erklärer” verstanden. Manches sei “missverstanden” worden. Als Beispiel nannte er die Schließung von Spielplätzen — frühe Erkenntnisse zur geringeren Übertragung im Freien hätten dies eigentlich nicht gerechtfertigt.


Was Drosten nicht beantwortete
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Die AfD-Fraktion, die mehrere Sachverständige in die Kommission entsendet hatte, dokumentierte in einer Pressemitteilung die unbeantworteten Punkte [3]:

  • Konkrete Empfehlungen aus dem NDR-Coronavirus-Update-Podcast, die später wissenschaftlich revidiert wurden, blieben ohne Selbstkorrektur.
  • Die Frage nach Interessenkonflikten, insbesondere im Kontext seiner Tätigkeit für den WHO-Pandemic-Fund-Beirat seit 2022 und die WHO-SAGO [5], wurde nicht detailliert beantwortet.
  • Zum Ursprung des Virus — Lab-Leak versus Naturhypothese — verwies Drosten auf laufende Untersuchungen, ohne eigene aktuelle Position zu nennen.

Cicero kommentierte den Sitzungsverlauf mit dem Satz, in der Kommission spüre man “das Gift in der Luft” [6]. Es entwickelte sich phasenweise eine Konfrontation zwischen den von der AfD benannten Experten und Drosten.


Der Hintergrund: RKI-Protokolle und das Drosten-Schwärzungsproblem
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Im Sommer 2024 hatte das Online-Magazin Multipolar (Paul Schreyer) vor dem Verwaltungsgericht Berlin auf weitergehende Entschwärzung der RKI-Krisenstabs-Protokolle geklagt [7]. Die verbliebenen Schwärzungen betrafen vor allem Personennamen und Firmen.

Christian Drostens Name blieb in der offiziellen RKI-Veröffentlichung geschwärzt — obwohl der Virologe in seinem Buch erklärt hatte, einer Veröffentlichung seines Namens nicht zu widersprechen [8]. Die RKI-Anwälte erklärten vor Gericht: Drosten habe auf eine entsprechende Anfrage des RKI nicht innerhalb der gesetzten Monatsfrist geantwortet, weshalb das Institut von einem Nicht-Einverständnis ausgegangen sei.

Drosten ließ daraufhin über die Charité-Pressestelle erklären, er habe die Frist “verstreichen lassen”, weil er “keinerlei Vorbehalte” gegen die Veröffentlichung gehabt habe [8].

Am 23. Juli 2024 veröffentlichte ein Rechercheteam um die freie Journalistin Aya Velázquez sämtliche RKI-Krisenstabs-Protokolle in vollständig entschwärzter Form [9]. Die Quelle habe ihr die Dokumente “aus Gewissensgründen” zugespielt, so Velázquez. Was in den entschwärzten Stellen über Drostens Rolle steht, ist seitdem öffentlich einsehbar.


Wo Drosten heute steht
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Drosten ist weiterhin Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin (seit 2017) [10]. Sein Institut wurde Anfang 2023 vom RKI vom Konsiliarlabor zum Nationalen Referenzzentrum für Coronaviren aufgewertet — eine Statusverbesserung mitten in der Aufarbeitungsphase.

Der NDR-Podcast “Coronavirus-Update”, den er gemeinsam mit Sandra Ciesek führte, endete mit den letzten Folgen am 29. März 2022 und 12. Januar 2023.

Wissenschaftlich bleibt Drosten hochzitiert (seit fünf Jahren in Folge in Clarivates Liste der “Highly Cited Researchers”). Politisch ist seine Rolle als Erklärer aus der akuten Phase nicht mehr abrufbar.


Was die Enquete jetzt liefern muss
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Die Enquete-Kommission hat ihren Auftrag erst zu einem Bruchteil erfüllt. Drei Punkte sind nach dem 1. Dezember 2025 ungeklärt:

1. Selbstkorrektur statt Maßnahmen-Verteidigung. Drosten verteidigte Entscheidungen, die er selbst durch Empfehlungen mitgeprägt hat. Eine Aufarbeitung muss differenzieren: Was wussten wir 2020? Was wurde später widerlegt? Welche Empfehlungen blieben trotz besseren Wissens unkorrigiert?

2. Die entschwärzten Protokollstellen vorlegen. Die Velázquez-Veröffentlichung enthält Material, das in der offiziellen RKI-Version geschwärzt war. Die Kommission sollte beide Versionen synoptisch zur Grundlage der Befragung machen.

3. Interessenkonflikte transparent machen. WHO-Pandemic-Fund-Beirat, SAGO, Drittmittelgeber, Industriekooperationen — die Kommission braucht eine vollständige Aufstellung, nicht eine Aufzählung von Auszeichnungen.


Fazit
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Wenn ein zentraler Wissenschaftler der Pandemiephase nur unter Polizeischutz vor einem parlamentarischen Gremium aussagen kann, ist das ein Symptom — nicht das Problem. Das Problem ist, dass die Aufarbeitung fünf Jahre nach Pandemiebeginn immer noch von Selbstverteidigung statt von Selbstkorrektur dominiert wird.

Drostens Auftritt am 1. Dezember 2025 war keine Aufarbeitung. Er war eine Verteidigungsrede.

Die nächste Sitzung muss eine andere werden.


Quellen
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  1. Deutscher Bundestag: Enquete-Kommission „Aufarbeitung der COVID-19-Pandemie", Sitzungsdokumentation
  2. ZDF heute: „Corona: Drosten verteidigt Maßnahmen, räumt aber auch Fehler ein"
  3. AfD-Fraktion: „Drosten lässt bei Befragung in Enquete-Kommission zentrale Fragen unbeantwortet"
  4. Bundestag: Stellungnahme SV Prof. Dr. Drosten (PDF)
  5. The Pandemic Fund: Christian Drosten, Technical Advisory Panel
  6. Cicero: „In der Enquete-Kommission spürt man das Gift in der Luft"
  7. Multipolar: „RKI-Protokolle vor Gericht"
  8. Multipolar: „Mehr als tausend Passagen geschwärzt: Multipolar veröffentlicht freigeklagte RKI-Protokolle im Original"
  9. Berliner Zeitung: „RKI-Files des Corona-Krisenstabs komplett entschwärzt veröffentlicht"
  10. Charité — Universitätsmedizin Berlin: Prof. Dr. Christian Drosten
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